Nachwuchsautoren und -Musiker fesseln in SMG-Aula mit eigenen Texten und Musik
(soh.) Vier junge Leute haben es sich auf der Couch gemütlich gemacht. Scheinbar. Denn sie sitzen zwar bequem auf dem Lederteil, blicken aber konzentriert zu Tisch und Stuhl, die in der Mitte der Bühne stehen. Hier sitzt der Fünfte von ihnen und liest vor. Die Bühne ist Teil der Aula des Ingelheimer Sebastian-Münster-Gymnasiums (SMG) und der Vorleser liest nicht etwas X-beliebiges, nein Sebastian Meineck liest aus einem eigenen Werk vor.
Nacheinander sitzen alle der fünf jungen Leute an diesem Platz und lesen vor und weben dabei einen dichten Teppich aus autobiografisch gefärbter Prosa, sehr persönlichen Texten und lyrischen Gedanken. Die Worte ziehen das Publikum in ihren Bann. Es lässt sich von der Macht der Sätze und Worte und den Stimmungen, die diese wecken, fesseln. Angekündigt als "Jungblut" stellen sich fünf junge Autoren - Schüler und Studenten aus Ingelheim, Mainz und ganz Rheinland-Pfalz - einer kritischen Zuhörerschar. Kennengelernt haben sie sich zufällig in einer Schreibwerkstatt, die das Literaturbüro Mainz regelmäßig in Oppenheim veranstaltet. "Dass wir Freunde geworden sind, war kein Zufall mehr", bekannte Sebastian Meineck, der die elfte Jahrgangsstufe am SMG besucht. Er stellte auch die These auf: "Junge Literatur, viele wissen nicht, was das ist",
Am Ende der literarisch musikalisch einfühlsamen Stunde stand allerdings fest: Egal, wie man junge Literatur definiert, ob man viel davon kennt oder nicht, die Texte der fünf jungen Leute an diesem Abend berührten, verrieten viele Gedanken, fesselten in ihren Sprachformen. Sie waren auch mal urkomisch, weckten auf alle Fälle Neugier und Interesse, den Weg der jungen Schreiber weiter zu verfolgen.
Einen ganz besonderen Charme verbreitete Christine Börsch-Supan. Das lag zum einen an den jazzigen Songs, die sie mit ihrer wunderschönen samtweichen, dunklen Stimme vortrug, das lag aber auch an der Art ihres Rezitierens und den Inhalten. "Natürlich komme ich ins Paradies. Ich kenne da jemanden, der dort arbeitet, begann Anna-Theresa Bohn und stellte dann einen ganz eigenen Bezug zum "Vater unser" her.
Zu einem Vater im Himmel, der auf Erden Probleme mit dem Alkohol hatte. "Deine Lippen suchten die Form meiner Lippen", begann ein Gedicht von Stefan Hochgesand, der eigentlich keine Gedichte schreibt, an diesem Abend aber eine Ausnahme machte. Franziska Kurtz vervollständigte das Lesequintett. Für ihren Text "W. lächelt", erhielt sie in Berlin einen Literaturpreis.
Martin Knorz servierte am E-Piano musikalische Intermezzi: mal kleine Jazzimprovisationen, mal war er zuverlässiger Begleiter, wenn Christine Börsch-Supan sang. Zum Abschluss gab es eine Gemeinschaftslesung, das epische Drama, "das Mösser", in einer Besetzung, die es so noch nicht gab", wie Anna-Theresia ankündigte.
Ein Aberwitz, der zeigte, dass die jungen Leute nicht nur tiefe Gedanken zu Papier bringen, mit Worten experimentieren oder sich in Gedanken verlieren können. Sie können auch komisch sein.
"Das Schönste ist, wenn die Geschichten gefallen", bekannte Sebastian Meineck am Ende und stellte zum Abschluss ein Taschenbuch vor, in dem die meisten der vorgelesenen Geschichten stehen: die in der Edition Schrittmacher erschienene Anthologie mit dem Titel "Die Zukunft beginnt mit Passfotos".
Klar, dass viele Zuhörer die Gelegenheit nutzten, ein Exemplar mit den Autogrammen der Jungblütler zu erstehen.

