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Ingelheim 

Messingplatte in Stiegelgasse

24.12.2008 - NGELHEIM

Erinnerung an Ernst S. Eisemann

pea. NGELHEIM Alles begann 1997 in Berlin. Dort wurden die ersten Stolpersteine von Gunter Demnig verlegt. Auch in Ingelheim soll auf diese Weise an unschuldige Opfer des Nationalsozialismus erinnert werden. Diese kleine AZ-Serie will ebenfalls einen Beitrag dazu leisten. Seit wenigen Wochen liegt vor dem Eckhaus in der Stiegelgasse 51 ein weiterer Stolperstein - zwei erinnern bereits seit 2006 an Marius und Thekla Eisemann. Der Stein erinnert an den Ober-Ingelheimer Juden Ernst Simon Eisemann, der 1943 im Konzentrationslager Auschwitz ermordet wurde. Ernst Simon war einer von vier Söhnen des Kolonialwarenhändlers Josef Loeb Eisemann und dessen Frau Emma . Stolpersteine In dem kleinen Tante-Emma-Laden in der Stiegelgasse konnten die Ober-Ingelheimer so ziemlich alles kaufen, was sie für ihren täglichen Bedarf benötigten. Von Butter bis zu Tabak reichte das Sortiment. Während Sohn Marius in die Fußstapfen des Vaters trat und das Geschäft übernahm, schlug Ernst Simon eine andere Richtung ein; er wurde Diplom-Ingenieur. Nach der Hochzeit mit Meta Offenbacher, die aus Marktredwitz stammte, ließ er sich mit seiner Gattin in Nürnberg nieder. Dort musste der Ober-Ingelheimer einen schweren Schicksalsschlag hinnehmen. Nach der Geburt der gemeinsamen Tochter Ellen im Jahre 1927 starb seine Ehefrau Meta. Deren Schwester Lola, die ebenfalls verwitwet war, wurde Ernst Simons zweite Frau. 1939 entschied sich Lola, mit den drei Kindern nach Amerika auszuwandern. Vermutlich hat diese Entscheidung ihr das Leben gerettet. Denn ihr Ehemann Ernst Simon, der in Deutschland zurücklieb, überlebte den Nazi-Terror nicht. Er wurde ins Konzentrationslager Auschwitz deportiert und am 28. Januar 1943 ermordet. Den in Ingelheim gebliebenen Eisemanns ging es nicht besser. Bereits im September 1933 gab es einen Anschlag auf ihre Wohnung in der Stiegelgasse. In den folgenden Jahren wurde es der Familie immer schwerer gemacht, ihren Betrieb weiterzuführen. Im Herbst 1935 hatte der Ober-Ingelheimer Gemeinderat "Abwehrmaßnahmen gegen den jüdischen Einfluss in Ober-Ingelheim" beschlossen. Es wurde verboten, mit Juden Geschäfte zu machen und bei Juden einzukaufen. Mit perfiden Methoden versuchte die Obrigkeit, dies durchzusetzen. "Volksgenossen", die noch bei Juden kauften, mussten mit der Veröffentlichung ihres Namens in der Zeitung rechnen. Kinder, die beim "Juden Eisemann" Süßigkeiten kauften, wurden von Schulkameraden beim Lehrer angeschwärzt und mit Prügeln bestraft. Im November 1938 spitzte sich die Lage weiter zu. Während der Reichspogromnacht wurden Wohnung und Geschäft in der Stiegelgasse 51 völlig zerstört. Nachdem die Eltern Eisemann 1937 beziehungsweise 1939 gestorben waren, wohnten nur noch Marius und Thekla Eisemann in dem Anwesen. Im Dezember 1939 beschlagnahmte man in ihrem Kolonialwarenladen Lebensmittel und Bedarfsgegenstände für die "Nationalsozialistische Volkswohlfahrt". Am 20. September 1942 endete mit der Deportation von Marius und Thekla Eisemann die Geschichte der Familie in Ingelheim. Weitere Teile zur Serie unter http://www.az-ingelheim.de/region/serie/stolpersteine/

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