Von Beate Schwenk
Erinnerung an deportierte und ermordete Ingelheimer Juden/Neue AZ-Serie
INGELHEIM Alles begann 1997 in Berlin. Dort wurden die ersten Stolpersteine von Gunter Demnig verlegt. Auch in Ingelheim soll auf diese Weise an unschuldige Opfer des Nationalsozialismus erinnert werden. Diese kleine AZ-Serie will ebenfalls einen Beitrag dazu leisten.
Im August 2006 hat der Kölner Bildhauer Gunter Demnig im Ingelheimer Stadtgebiet die ersten Stolpersteine verlegt. Die 17 Messingplatten, die an sechs verschiedenen Stellen in Ober- und Nieder-Ingelheim liegen, erinnern an die letzten jüdischen Bürger, die am 20. September 1942 aus Ingelheim deportiert wurden. Initiatoren der Aktion vor zwei Jahren waren Schülerinnen und Schüler der Integrierten Gesamtschule (IGS). Die Jugendlichen, die sich in der Anti-Gewalt-AG (AGAG) engagieren, wollten mit der Initiative an jenen Tag erinnern, an dem die Geschichte der Ingelheimer Juden ein gewaltsames Ende fand. Stolpersteine Es war um die Mittagszeit am 20. September 1942, als die 17 Männer, Frauen und Kinder von Nationalsozialisten aus ihren Häusern geholt und auf Lastwagen abtransportiert wurden. Sie waren die letzten jüdischen Bürger, die zu diesem Zeitpunkt noch in Ingelheim lebten. Keiner von ihnen hat seine Heimatstadt je wiedergesehen. Die Deportierten stammten aus angesehenen Familien, waren Weinhändler oder Metzger, Textil- oder Kolonialwarenhändler. Das jüngste Opfer war gerade sieben Jahre alt. Die kleine Renate Wertheim wurde zusammen mit ihren Eltern und ihrer Großmutter aus der Heimesgasse 6 in Ober-Ingelheim verschleppt. Bis heute gilt sie als verschollen. Vor ihrem letzten Wohnort und vor fünf weiteren Häusern im Stadtgebiet hat Gunter Demnig im Sommer 2006 die ersten Stolpersteine verlegt. In diesem Jahr kamen nun sieben weitere hinzu - fünf von ihnen auf Initiative des Deutsch-Israelischen Freundeskreises (DIF). Zwei weitere Steine ließ Brigitte Luithle vor ihrem Haus in der Mainzer Straße 14 verlegen. Die heutige Eigentümerin will damit das Andenken an die Geschwister Lina und Alfred Koch wach halten, die nach dem Ersten Weltkrieg in dem Anwesen gegenüber der Remigiuskirche gewohnt hatten. Am 8. November wurden die neu verlegten Stolpersteine der Öffentlichkeit übergeben; dies im Beisein ehemaliger Ingelheimer Juden, die eine Woche lang auf Einladung der Stadt und des Deutsch-Israelischen Freundeskreises in ihrer früheren Heimat zu Gast waren. Nicht nur in der Mainzer Straße konnten sie zwei neue Stolpersteine begutachten, sondern auch vor drei weiteren Häusern: Zwei Steine liegen in der Bahnhofstraße 23 für Karl und Luise (Lilly) Neumann und zwei in der Bahnhofstraße 79 für Moritz und Hedwig Neumann. Ein weiterer wurde für Ernst Simon Eisemann in der Stiegelgasse 51 verlegt. Es ist bereits der dritte Stolperstein vor dem Eckhaus in der Stiegelgasse. Die anderen beiden erinnern seit August 2006 an Marius und Thekla Eisemann. Ernst Simon, der Bruder von Marius Eisemann, wurde im Januar 1943 im Konzentrationslager Auschwitz ermordet.

