„Engagement ist unglaublich“
24.01.2012 - INGELHEIM
Von Beate Schwenk
TIERHELFER Dieter Zurr findet seinen Wunschhund in Ingelheim / Spendenaktion für Gehege
„Unkompliziert und professionell“, so beschreibt Dieter Zurr die Arbeit der Ingelheimer Tierhelfer. Er kann das beurteilen, er ist gewissermaßen vom Fach. Als Hundetrainer und Therapeut ist er nicht nur mit Hund und Herrchen bestens vertraut, er kennt auch viele Tierschutzeinrichtungen. „Das Engagement hier ist unglaublich“, lobt der 55-Jährige, der übers Internet zum Ingelheimer Tierheim kam.
„Wir haben einen großen Hund gesucht“, berichten er und seine Ehefrau Andrea, die im hessischen Oberursel wohnen. Nach dem Tod des Vorgängers, eines Dobermanns, schauten sie sich in diversen Einrichtungen um. Als man in der näheren Umgebung nicht fündig wurde, weitete man die Suche aus. Bei Facebook entdeckten die Zurrs eine Deutsche Dogge, die im Ingelheimer Tierheim auf ein neues Zuhause wartete. Ein besonders stattliches Exemplar: Denn der heute dreieinhalbjährige Gustav ist mit seinen 92 Zentimetern Schulterhöhe selbst unter Artgenossen ein Gigant.
Dogge Gustav selbst unter Artgenossen ein Gigant
„Der ist ja ganz schön riesig, haben wir gedacht“, erinnert sich das Ehepaar. Doch bereits beim ersten Treffen flogen Gustav die Herzen seiner neuen Besitzer zu. „Eigentlich hat er die Entscheidung selbst getroffen“, sagt Andrea Zurr, „Gustav hat bei uns direkt angedockt.“ Trotzdem dauerte es eine Weile, bis der Rüde in seiner neuen Umgebung angekommen war. Gustav litt ganz extrem unter der Trennung von seinem früheren Herrchen, der ihn im Tierheim abgegeben hatte. „Am Anfang hat er kaum gefressen“, weiß Mareike Zuck, Leiterin des Ingelheimer Tierheims. Die Dogge war richtig abgemagert.
Das änderte sich auch in seinem neuen Umfeld zunächst nicht. Es dauerte zirka acht Wochen, bis das Tier wieder mit Freude fraß. Heute müssen sich die Halter keine Sorgen mehr machen. Der Appetit ist zurückgekehrt. Rund 3,2 Kilo Hundefutter vertilgt der Riese jeden Tag. Volle sieben Kilo hat er seit letztem Sommer zugelegt und somit wieder Normalgewicht. Wenn Gustav mit seinen 78 Kilogramm Lebendgewicht so richtig in Fahrt kommt, ist er nicht mehr zu halten. Deshalb ist Erziehung das A und O. „Dabei geht es nicht um Abrichten“, stellt der Hundetrainer klar, „sondern um eine vernünftige Beziehung zwischen Tier und Halter.“ Wenn man mit Ruhe, Geduld und Konsequenz die Regeln aufzeige, funktioniere das ohne Probleme.
„Wir können auch ganz entspannt mit Gustav durch die Stadt gehen“, berichten die Zurrs. Allerdings nicht, ohne permanent angesprochen zu werden. „Wenn wir in Frankfurt unterwegs sind, fragen Touristen ganz häufig, ob sie Gustav streicheln oder fotografieren dürfen.“ Der Hund sei eben eine Attraktion. Man brauche übrigens kein großes Haus und keinen großen Garten für einen solchen Hund, räumt Dieter Zurr mit falschen Vorstellungen auf. Wichtig sei nur genügend Auslauf. „Im Schnitt vier Stunden am Tag“, erklärt der Fachmann, der Gustav neuerdings auch als Therapiehund zum Einsatz bringt. Aufgrund seiner Größe und seines Charakters sei der Rüde dafür prädestiniert.

