Nachdenken über Sprache
23.11.2011 - INGELHEIM
WELTTAG DER PHILOSOPHIE Schüler beschäftigen sich mit Zitaten berühmter Dichter
(pea). „Was hier schief gelaufen ist, hat auch mit Sprache zu tun. Das war ein Kommunikationsproblem, Absprachen sind nicht gut gelaufen.“ Und damit ist Christoph Merklein, Philosophie- und Ethiklehrer am Sebastian-Münster-Gymnasium (SMG), schon mitten im Thema. Denn die Schulveranstaltung anlässlich des Unesco-Welttages der Philosophie steht diesmal unter dem Motto „Nachdenken über Sprechen und Sprache“. Und bei der Abstimmung mit anderen Unterrichtsangeboten ist im Vorfeld offenbar nicht alles glatt gelaufen.
Hildegardisschülerinnen als Multiplikatoren
Die Folge ist, dass ein Teil der Philosophie-Grundkurs-Schüler, an die sich die Veranstaltung richtet, erst später dazu stoßen kann. „Doch wir machen aus der Not eine Tugend“, lässt sich Merklein nicht aus dem Konzept bringen. So erhalten zunächst die Schülerinnen des Binger Hildegardis-Gymnasiums, die zum Philosophie-Welttag wieder ins SMG gekommen sind, exklusiv die allgemeine Einführung. Während sich die Gäste dann in die Schwerpunktthemen einarbeiten, instruiert Christoph Merklein die übrigen Teilnehmer. In der nächsten Phase werden alle auf die Kleingruppen verteilt. Die Schülerinnen aus Bingen, die sich bereits mit der Materie vertraut gemacht haben, fungieren jetzt als Multiplikatoren, um den Nachzüglern den Einstieg zu erleichtern.
In diesem Jahr steht beim Welttag der Philosophie am SMG die Sprache im Zentrum der Betrachtung. Anhand von Zitaten bekannter Dichter, Philosophen oder Linguisten gehen die Schüler sprachphilosophischen Problemstellungen auf den Grund. Das Thema „Nachdenken über Sprache und Sprechen“ wird dabei aus unterschiedlichen Perspektiven abgeklopft. Es geht auch um spannende Fragen wie das Verhältnis von Sprache und Manipulation oder Sprache und Wahrheit.
Der Welttag der Philosophie wurde im Jahre 2002 von der Unesco eingerichtet, um den Stellenwert der Philosophie in Gesellschaft und Bildungseinrichtungen zu befördern. Die Fachschaft Philosophie des Sebastian-Münster-Gymnasiums war auch in diesem Jahr wieder mit einem Ganztagsangebot mit dabei. Kooperiert wurde, wie in den vergangenen beiden Jahren, mit dem Binger Hildegardis-Gymnasium.
Philosophie soll stärker ins öffentliche Bewusstsein
Mit dieser Initiative will die Fachschaft dazu beitragen, dass die Philosophie als schulische Disziplin stärker im öffentlichen Bewusstsein verankert wird. „Es wird immer wieder von einem Boom der Philosophie gesprochen“, erklärt Christoph Merklein. „Ich habe mich gefragt, wo ist dieser Boom eigentlich?“ Auf seine rhetorische Frage hat er aber selbst eine Antwort parat: Heutzutage werde vor allem in zwei Bereichen auf die Philosophie zurückgegriffen. Und zwar immer dann, wenn es um die Suche nach Problemlösungen gehe oder um die Suche nach dem Jenseitigen im Sinne eines Religionsersatzes.
Doch die Philosophie habe dem Menschen sehr viel mehr zu bieten als das, ist der Pädagoge überzeugt. Wünschenswert sei allerdings, dass junge Menschen viel früher als in der zehnten Klasse an die Disziplin herangeführt würden. „Denn Philosophie kann jeder, es ist kein Hexenwerk“, ist Christoph Merklein überzeugt.

