Rezept gegen Unterrichtsausfall gefragt
10.11.2011 - INGELHEIM
Von Beate Schwenk
SEBASTIAN-MÜNSTER-GYMNASIUM Schülerinnen und Schüler fühlen Landtagsabgeordneten auf den Zahn
Interessiert und gut informiert zeigten sich die 40 Schülerinnen und Schüler der Sozialkunde-Leistungskurse, die gestern im Sebastian-Münster-Gymnasium mit Dorothea Schäfer (CDU) und Ulrich Steinbach (Grüne) diskutierten. Anlass für den Besuch der beiden Politiker war der 9. November. An diesem Tag gehen Abgeordnete des rheinland-pfälzischen Landtags traditionell in die Schulen, um sich mit jungen Menschen über Demokratie, Parlamentarismus und Geschichte auszutauschen.
„Der 9. November ist ein deutsches Datum“, eröffnete Philipp Breitband, der zusammen mit seinem Mitschüler Fatih Tekin moderierte, die Diskussion und machte seine These an drei historischen Ereignissen fest: der Ausrufung der Weimarer Republik 1918, dem Beginn der Novemberpogrome 1938 und der Mauerfall 1989.
Erstes Thema, bei dem die Schüler den Politikern auf den Zahn fühlten, war die Bildung. Hier wurde nach Rezepten gegen überfüllte Hörsäle, Unterrichtsausfall und zu große Klassen gefragt. Schäfer wie Steinbach sahen Handlungsbedarf, verhehlten aber nicht, dass bessere Bildung viel Geld kostet, das anderswo eingespart werden muss. Schäfer schlug vor, weniger in einzelne Prestigebauten zu investieren und das Geld besser zu verteilen.
Steinbach, früher beim Rechnungshof tätig, plädierte dafür, sehr genau hinzuschauen, wo und wie man investiere.
Als zweiten Block hatten die Moderatoren das Thema „Politikverdrossenheit“ auf die Tagesordnung gesetzt. Ein Begriff, an dem sich beide Gäste stießen. „Politikverdrossenheit. Das sehe ich empirisch nicht bestätigt“, stellte Steinbach fest. Der Bürger-Unmut, der sich in Protesten gegen Stuttgart 21 oder Fluglärm entlade, sei vielmehr ein Indiz dafür, dass sich die Menschen politisch einbrächten. Nur eben anders als früher.
Statt in Parteien oder Gewerkschaften engagiere man sich heute eher in Bürgerbewegungen.
Auch Schäfer sah keine Anzeichen für eine generelle Politikverdrossenheit. Allerdings müsse man die Menschen stärker mitnehmen, räumte die Christdemokratin ein. Ob dies so weit gehe, dass das Wahlalter auf 16 herabgesenkt werden sollte, fragte ein Schüler nach. Von Steinbach kam hier ein deutliches „Ja“.
Schäfer differenzierte sich: „Ich sage nicht kategorisch Nein, aber man muss die jungen Menschen vorbereiten.“ Zum Beispiel in der Schule, woraufhin Lehrer Christian Just spontan „zwei Stunden Sozialkunde mehr pro Woche“ als Anregung in den Raum warf.
Einigkeit dann wieder beim Thema Partizipationsmöglichkeiten: Beide Politiker sprachen sich für eine Absenkung der Hürden für Volksentscheide aus und für mehr Mitbestimmung bei Themen, die die Bürger direkt betreffen. Als Musterbeispiel nannte Schäfer die von der Landesregierung angestoßene und viel diskutierte Gebietsreform.

