Für neutralen Religionsunterricht
02.11.2011 - INGELHEIM
Von Klaus Rein
LANDESSCHÜLERVERTRETUNG Konfessionsorientiertes Wissen soll freiwillig neben neuem Fach angeboten werden
Mit einer landesweiten Aktion in Mainz will die Vertretung der rheinland-pfälzischen Schüler (LSV) gegen Unterrichtsausfall und Abbau von Lehrerplanstellen protestieren. Dies beschloss am Wochenende die 53. Landeskonferenz der Schülervertretungen aus Städten und Kreisen im Ingelheimer Sebastian-Münster-Gymnasium. Allerdings wurde der Termin für die Demonstration noch nicht festgelegt. In Workshops und an Info-Ständen beschäftigte sich die Konferenz unter anderem mit der Frage „Sind wir die Jugend von heute?“ Im Mittelpunkt der Tagung, die auch von Staatssekretärin Vera Reiß und der Landtagsabgeordneten Ulla Brede-Hoffmann (SPD) besucht wurde, stand jedoch die Beratung von Anträgen. Gleichzeitig wurde ein neuer LSV-Vorstand aus zehn gleichberechtigen Schülern gewählt.
Heftige Debatte um Vermittlung christlicher Werte
Eine heftige Debatte löste - so das bisherige Vorstandsmitglied Sebastian Gräber - die Forderung aus, den Religionsunterricht durch ein „neutrales Unterrichtsfach“ zu ersetzen. Dieses solle ein „objektives Bild über verschiedene Religionen, Weltanschauungen und Ethik“ vermitteln. Konfessionsorientierter Unterricht solle „freiwillig“ neben dem neuen Fach angeboten werden. Vor allem Mainzer Delegierte wollten die Vermittlung christlicher Werte nicht infrage gestellt wissen, jedoch wurde der Antrag mit großer Mehrheit beschlossen. Der Antrag gipfelte in der Forderung, die „Erziehung zur Gottesfurcht“ aus der Landesverfassung zu streichen.
Selbstbestimmte Sexualität soll nach Auffassung der Konferenz in den Mittelpunkt des Sexualkunde-Unterrichts gerückt werden. Behandelt werden sollen auch die Rolle der Frau und der Umgang mit Pornografie. Entgegen den aktuell gültigen „Richtlinien zur Sexualerziehung“ - so die Kritik der Delegierten - werde in den Lehrplänen „einzig und allein die anatomische Betrachtung“ im Biologie-Unterricht festgeschrieben. Statt sich - wie es oft geschehe - vor dem Thema zu drücken, sollten die Lehrer zu einem „verantwortungsvollen, aufgeklärten Umgang mit Sexualität“ beitragen. Die Jugendlichen dürften nicht durch „äußere Einflüsse wie Pornografie im Internet“ geprägt werden, wo ein „falsches Bild“ von Sexualität vermittelt werde.
Veraltetes Bild der Frau ersetzen
Von den Delegierten erhielt der neue LSV-Vorstand den Auftrag, sich kritisch mit der in Lehrplänen und Schulbüchern beschriebenen Rolle der Frau zu beschäftigen. In seinem Antrag forderte der bisherige Landesvorstand, die „Rolle der emanzipierten Frau“ zu stärken. Das „veraltete Bild der Frau des 19. Jahrhunderts“ dürfe nicht länger beibehalten werden. Zudem gelte es, die Rolle der Frau in den verschiedenen Epochen von Literatur und Geschichte kritisch zu behandeln. Nicht erörtert wurde vom LSV-Plenum, das 440 000 Schüler der Sekundarstufen I und II an allen öffentlichen Schulen im Land vertritt, ein Antrag für „mehr Kaugummikauen im Unterricht“. Die Forderung, das derzeit gültige Verbot aufzuheben, wurde zurückgezogen. Die Antragstellerin hatte die Auffassung vertreten, das Kaugummikauen steigere die Konzentration und verlängere „die Aufnahmefähigkeit bei Frontalunterricht“.
An der Landeskonferenz beteiligten sich auch Jugend-Organisation der Parteien und Vertreter von Bildungseinrichtungen. Für musikalische Abendunterhaltung der 114 Delegierten und Gäste sorgte eine Mainzer Rock-Band. Der Landkreis Mainz-Bingen entsendet sechs Delegierte, die 34 Schulen mit insgesamt rund 17 000 Schülerinnen und Schülern vertreten.

