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Ingelheim 

Schnitzen, bis das Messer glüht

10.09.2011 - INGELHEIM

Von Beate Schwenk

STEINZEITAUSFLUG Sechstklässler stellen in Kapri-Museum-AG Pfeil und Bogen her

Will man Pfeil und Bogen in Eigenarbeit herstellen, kostet das viel Zeit und Mühe. Das merken auch Julia (11), Leo (11), Philipp (12) und Patryk (11), die bereits geraume Zeit mit ihren Ästen beschäftigt sind. Stück für Stück wird die Rinde mit einem Messer abgeschält.

„Es geht nicht so schnell, wie man glaubt“, erklärt Dr. Isabel Kappesser vom Team der Museumspädagogik. Die Archäologin leitet die Museums-AG der Kaiserpfalz-Realschule plus. Einmal pro Woche unternimmt sie mit den Sechstklässlern einen Ausflug in die Steinzeit. Dabei lernen die Kinder nicht nur, wie die Menschen früher lebten, einiges können sie sogar selbst ausprobieren. Zum Beispiel, wie mühsam es war, Werkzeug oder Jagdgerät herzustellen. Bevor die Mädchen und Jungs zum Schnitzmesser greifen dürfen, werden sie instruiert. Der verantwortungsvolle Umgang mit dem Werkzeug ist das A und O. Erst danach geht es ans Werk.

„Der Ast muss so dünn werden, dass er sich gut biegen lässt“, erklärt Julia, wie sie vorgehen will. Mit viel Geduld wird dabei Schicht um Schicht entfernt.

Auch Leo und Philipp mühen sich, das Material so zu bearbeiten, dass ein funktionstüchtiger Bogen entsteht. „Es ist schwieriger als die Speerschleuder, die wir letztes Jahr gemacht haben“, stellt Patryk fest. Derweil führt Leo der AG-Leiterin vor, dass sich sein Bogen schon gut biegen lässt. Bis er mit dem fertigen Produkt auf Mammutjagd gehen kann, liegen vor ihm noch etliche Arbeitsschritte. Die Oberfläche muss geglättet und der Bogen mit einer Kunstsehne bespannt werden. Danach stehen noch die Pfeile und ein Armschutz aus Leder an.

Nicht nur zuhören, sondern selbst anpacken

„Das Thema Steinzeit fasziniert die Schüler“, sagt Museumspädagogin Dr. Inge Domes. Attraktiv sei vor allem, dass die Mädchen und Jungs nicht nur zuhören und zuschauen dürften, sondern sich selbst handwerklich betätigen könnten. Geschichte zum Anfassen ist das, womit das Museum bei der Kaiserpfalz den Nachwuchs begeistern will.

Normalerweise packen die Mitarbeiterinnen ihren Museumskoffer und wandern damit ins Klassenzimmer. Einige Einheiten finden aber im Museum statt. Bei einem Gang durch die Ausstellungsräume erfahren die Schüler alles Wissenswerte über Exponate und Präsentationsformen. Außerdem dürfen sie einen Blick hinter die Kulissen werfen. Hoch im Kurs steht bei den Schülern das praktische Arbeiten. Wenn die kleinen Handwerker anhand von Originalbauplänen Werkzeuge aus der Steinzeit herstellen können, sind sie mit Feuereifer dabei.

Diese Art der Wissensvermittlung kommt bei den Schülern so gut an, dass das Museum inzwischen mit vier Ingelheimer Schulen kooperiert. Neben der Kaiserpfalz-Realschule und der Pestalozzi-Grundschule, mit denen man schon länger AGs organisiert, sind seit diesem Schuljahr auch das Sebastian-Münster-Gymnasium und die Integrierte Gesamtschule mit an Bord.

Aus Ästen eines Haselnussstrauchs schnitzten (v.li.) Patryk, Leo, Julia, Philipp unter Anleitung von Dr. Isabel Kappesser Bögen. 	Foto: Thomas Schmidt

Aus Ästen eines Haselnussstrauchs schnitzten (v.li.) Patryk, Leo, Julia, Philipp unter Anleitung von Dr. Isabel Kappesser Bögen. Foto: Thomas SchmidtVergrößern

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