Träumereien vor Burgkulisse
05.09.2011 - INGELHEIM
Von Karola Arnold
SHAKESPEARE Theater-AG des SMG inszeniert „Wie es euch gefällt“
Eine geballte Ladung Wortwitz und Sprücheklopferei prallte am Samstagabend gegen die historischen Burgmauern. Die Theater-AG des Sebastian-Münster-Gymnasiums führte in diesem Jahr, erstmals seit Restauration der Mauer, wieder ein Theaterstück auf der Freilichtbühne an der Burgkirche auf. Christoph Klein, Leiter der Theater-AG, inszenierte das Stück „Wie es euch gefällt“ von William Shakespeare. Es sind die Spielregeln der Gesellschaft, welche von den 20 Akteuren aus der Oberstufe, in einer modernen Übersetzung, aber in zeitgemäßen Gewändern, gekonnt interpretiert wurden.
Wortspiele bezirzen die Waldbewohner
In der Komödie flieht eine französische Hofgesellschaft in den Ardenner Wald, stellt ihn auf den Kopf, bezirzt und verwirrt die Waldbewohner mit ihren Wortspielen, ihrer Schlagfertigkeit und ihren närrischen Spielchen. Im Vordergrund geht es um Liebe und Verliebtsein. Die kluge Rosalinde, von einem Giftzwerg, dem Herzog Frederick verbannt, flüchtet zusammen mit ihrer Cousine Celia in den Wald. Sie ist verliebt in den sanftmütigen und kühnen Orlando, ein Edelmann, der aus Angst vor seinem Bruder, ebenfalls in den Wald flüchtet. Die Verliebten finden erst nach zahlreichen Irrungen und Wirrungen zueinander. Überraschenderweise verliebt sich auch der wortgewandte Hofnarr, der Rosalinde und Celia begleitete, in das kleine Dummchen vom Lande.
Mehrmals wurde das Stück bereits vor den Sommerferien im SMG aufgeführt. Eine weitere Aufführung im Mainzer Unterhaus steht noch bevor. Christine Zindritsch, die eine textstarke Rosalinde spielte, fand gerade die Wiederaufnahme des Stücks nach den Ferien sehr anstrengend. Bei der Auswahl des Stückes bestand jedoch bereits nach kürzester Zeit Konsens, erinnerte sie sich. Maurits van Straten, alias Orlando, fragte sich anfangs, ob das Stück wirklich lustig sei. Doch der Erfolg zeigte sich schnell, das Publikum war begeistert. Mehrfach wurde die tolle Leistung der Schüler hervorgehoben. Auch die derben Wortwechsel fanden Gefallen. Christoph Klein freut sich, „dass die Schüler sehr engagiert arbeiten und sehr viel Herzblut mit einbringen“. Shakespeare macht „viel Spaß“ - „es ist Körpertheater, Bewegungstheater und Komödie“. Abgesehen davon „gehört Shakespeare auf diese Burg“, meint Klein. Die Burgkulisse unterstützte die traumhafte Atmosphäre der Handlung und bot Spielraum für ein zweigeteiltes Bühnenbild. Der französische Hof einerseits, der wilde Ardenner Wald andererseits. Somit gelang es den Helden in Strumpfhosen das anfängliche Chaos auf dem französischen Hofe zu ordnen, die Zerrissenheit zwischen den Personen zu klären und die sehnsüchtige Suche im Ardenner Wald so enden zu lassen, wie es dem Publikum gefällt.
Das Happy End bestand aus einer Hochzeitszeremonie und der Verkündigung der Einsicht bei Hofe. Eine bessere Welt, oder doch nur ein Traum?

