Zur Sache, Kandidaten
19.08.2011 - INGELHEIM
Von Jan Alexander Daum
ERSTWÄHLER OB-Bewerber stellen sich SMG-Schülern / Innenstadt, Angebote für Junge, Fluglärm und Kino im Fokus
„Der schlimmste Weg, den man wählen kann, ist der, keinen zu wählen.“ Mit diesem Zitat Friedrichs des Großen begrüßte Dr. Julia Wilhelm, Leiterin der Volkshochschule (VHS), gestern Vormittag 150 Schülerinnen und Schüler des Sebastian-Münster-Gymnasiums im Weiterbildungszentrum. Drei Stunden lang stellten sich dort die vier Kandidaten für das Oberbürgermeisteramt den Fragen der Jugendlichen.
Sorge vor „Asphaltwüste“ in der Stadtmitte
Schon in der Vorstellungsrunde zu Beginn der Veranstaltung wurde deutlich, wie sehr die potenziellen Stadtoberhäupter versuchten, sich voneinander abzugrenzen. Während Ralf Claus (SPD) und Hans-Jürgen Finkenauer (parteilos) ihre langjährige Verwaltungserfahrung betonten, setzten Eveline Breyer (CDU) und Manfred Knauff (parteilos) auf „frischen Wind“ und einen „unabhängigen Blick von außen.“ Knauff stellte heraus, dass privatwirtschaftliche Erfahrung als Abteilungs- und Bereichsleiter mangelnde Verwaltungserfahrung kompensieren könne.
Im Anschluss wurden die Schülerinnen und Schüler in kleine Gruppen aufgeteilt. Im Rotationsverfahren hatten die Kandidaten nun jeweils eine halbe Stunde Zeit, mit den Jugendlichen ins Gespräch zu kommen. Diese nutzten wiederum ihre Chance, den Politikern persönlich Fragen zu ihrer Person, ihren Wahlprogrammen und den Perspektiven für Ingelheim zu stellen. Im Mittelpunkt des Interesses stand dabei die Stadtzentrumsentwicklung.
Vielfach kam die Sorge vor einer „Asphaltwüste“ in Ingelheims Mitte sowie der Wunsch nach mehr Grünflächen zum Ausdruck. Zudem seien Orte, die Jugendliche zum Verweilen einladen, dringend erforderlich, stellten viele Schüler klar. „Es geht darum, ein Zentrum zu entwickeln, das ein gewisses Flair und eine gewisse Atmosphäre bietet. Dazu gehören in meinen Augen eine attraktive Fußgängerzone und Bäume in der Bahnhofs- und Bingerstraße“, sagte Ralf Claus.
Eveline Breyer legte den Fokus ihrer Ausführungen auf das Thema Familie. „An Kinder und Familien wird immer zuletzt gedacht. Deshalb möchte ich ein Tagesmütterprogramm etablieren und mit einer Picknickwiese auf der Jungau in Frei-Weinheim die Attraktivität der Stadt für junge Menschen und Familien erhöhen“, erklärte die 29-Jährige.
Hans-Jürgen Finkenauer sprach davon, Ingelheim solle die „familienfreundlichste Stadt Rheinhessens“ werden.
Ebenfalls zur Sprache kamen das durch die Genehmigung der Südumfliegung hochbrisante Thema Fluglärm sowie die Planungen für den Erhalt eines Ingelheimer Kinos. Dass dieses erhalten werden müsse, unterstrichen alle vier Kandidaten.
Themen aus den Medien aufgegriffen
Wusste zu Beginn der Veranstaltung noch kein einziger Schüler, welchem Kandidaten er seine Stimme geben werde, sah dies nach drei Stunden ganz anders aus. „Die Veranstaltung war ein gutes Forum, um den vier Bewerbern einmal persönlich Fragen stellen zu können und sich einen Eindruck zu verschaffen. Meine Entscheidung ist heute gefallen“, lobte Schülersprecher Tim Wilhelmi die Diskussion.
Die vier Politiker zeigten sich begeistert vom Wissen und Interesse der Jugendlichen. „Schön war, dass wir die in den Medien diskutierten Themen mit den Schülern aufgreifen und vertiefen konnten“, meinte Hans-Jürgen Finkenauer. Und Ralf Claus ergänzte: „Bei so wenig Politikverdrossenheit muss uns um die Zukunft unserer Stadt nicht bange sein.“

