Ganz nahe bei den Menschen
01.07.2011 - INGELHEIM
Von Gerhard Grunwald
SAALKIRCHE Ernst-Ludwig Fellechner seit 30 Jahren Pfarrer in Nieder-Ingelheim
Gleich zwei Jubiläen gilt es zu feiern, wenn sich Pfarrer Dr. Ernst-Ludwig Fellechner am kommenden Sonntag, 3. Juli, ab 10 Uhr in der Saalkirche mit den Gemeindemitgliedern zum Gottesdienst versammeln wird. Zum einen kann Carsten Lenz auf sein nunmehr 15-jähriges Wirken als Dekanatskantor zurückblicken, zum anderen ist Fellechner seit 30 Jahren Pfarrer an der Saalkirchengemeinde in Nieder-Ingelheim.
Drei Jahrzehnte lassen sich geradezu als Ära bezeichnen. Eine Zeit, in der Fellechner zweifellos der Pfarrgemeinde seinen Stempel aufgedrückt hat, aber auch die Gemeindemitglieder ihren „Chef“ prägten. Im Juli 1981 trat der gebürtige Offenbacher seinen Dienst in Ingelheim an. Dies, nachdem er 1978 im hessischen Grävenwiesbach zum Pfarrvikar ordiniert worden war und in der Folgezeit auch in der 2 800 Seelen zählenden Gemeinde im Nassauer Land erste Erfahrungen im kirchlichen Dienst gesammelt hatte.
Ursprünglich schwebte Fellechner, als er nach seinem Abitur im Jahr 1966 an die Universität in Tübingen wechselte und sein Theologiestudium begann, eine wissenschaftliche berufliche Laufbahn vor. Zwar erreichte er mit der Promotion an seinem späteren Studienort Heidelberg auch höhere akademische Weihen, alleine von der Wissenschaft lässt sich aber nicht immer eine Familie ernähren. „Unsere älteste Tochter war damals bereits geboren und ich musste sehen, dass wir wirtschaftlich über die Runden kamen“, beschreibt Fellechner seine persönliche Situation Ende der 1970er Jahre. Und so folgte er schließlich dem Rat eines Universitätsprofessors, der ihm den Dienst in der Kirche ans Herz legte. Sein Weg als Pfarrer war Fellechner aber eigentlich schon seit den Tagen seiner Konfirmation vorbestimmt. „Damals hatte ich bereits den Wunsch, Pfarrer zu werden“, erzählt der heute 64-Jährige. Als 1981 dann die Pfarrerstelle in Ingelheim ausgeschrieben wurde, bewarb sich der inzwischen zweifache Familienvater aus seinem Amt als Pfarrvikar heraus auf die neue Position, die er dann auch im Juli antrat.
Seither sind drei Jahrzehnte ins Land gezogen, 30 Jahre, in denen vieles in der Saalkirchengemeinde unter Federführung von Pfarrer Fellechner geschehen ist. „464 Kinder habe ich getauft, circa 200 Ehepaare getraut, 20 Jahrgänge mit 468 Konfirmanden eingesegnet und fast 800 Gemeindemitglieder kirchlich beerdigt“, erinnert sich der Geistliche. Dazu kommen unzählige Gottesdienste, Andachten, geistliche Begegnungen und seelsorgerische Gespräche. Auch das Unterrichten in Religion am Sebastian-Münster-Gymnasium und der Pestalozzischule stand im prall gefüllten Terminplan des Geistlichen. „Meine zahlreichen Publikationen, Rundfunksendungen und Fernsehgottesdienste, die ich in meiner Freizeit umgesetzt habe, haben viel Kraft gekostet, aber auch viel Motivation zurückgegeben“, verweist Fellchener auf einen weiteren Schwerpunkt seiner Arbeit.
Nicht vergessen werden dürfen in diesem Zusammenhang die Bauprojekte, die in den vergangenen Jahren und Jahrzehnten umgesetzt wurden, angefangen vom Umbau des Gemeindehauses, der Renovierung der Saalkirche und der Errichtung des Anbaus, der Kindergartensanierung bis hin zum Krippenumbau. Seiner Vollendung entgegen geht derzeit das große Skinner-Orgelprojekt.
„In meinem Beruf konnte ich die Theologie auf die Menschen herunterbrechen“, zieht der Pfarrer, der Ende Oktober in den Ruhestand treten und nach Mainz umziehen wird, eine erste Bilanz seines geistlichen und seelsorgerischen Wirkens. Stolz ist er auf seine Pfarrgemeinde „mit einem äußerst aktiven Kirchenvorstand, den vielen engagierten Mitgliedern und der schönen alten Kirche“. „Die Gemeinde hat Potenzial“, bringt er es auf den Punkt. Und Fellechner wirkt absolut authentisch, wenn er von einer „hohen Befriedigung“ spricht, die er mit Blick auf das verspüre, was in der Vergangenheit alles in der Saalkirchengemeinde umgesetzt werden konnte. „Der Beruf des Pfarrers bringt jeden Tag neue Herausforderungen mit sich, aber ich habe mich hier immer wohlgefühlt“, kann sein Schlusswort kaum positiver ausfallen.

