Nur ein einziges Deutschbuch aussortiert
27.06.2011 - INGELHEIM
Von Heinrich W. Hamann
SCHULBUCH-AUSLEIHE Rückgabe der Lernmaterialien am SMG / 72,2 Prozent der Schüler nutzen neues Angebot
Im Schuljahr 2010/11 wurde für die Schülerinnen und Schüler der Klassenstufen fünf bis zehn an allgemeinbildenden Schulen (außer Förderschulen) ein Ausleihsystem für Lernmittel eingeführt, das das bisher etablierte Lernmittelgutscheinsystem ablöste.
Am Ingelheimer Sebastian-Münster-Gymnasium nahmen 72,2 Prozent der Schüler das neue Angebot in Anspruch. Dahinter verbergen sich für die sechsten Klassenstufen absolute Schüleranzahlen zwischen 205 und 253. Studiendirektor Franz Diehl, der im Verlauf der vergangenen Woche die Rückgabeaktion der entliehenen Bücher betreute, belegt mit diesen Zahlen die Akzeptanz der Schulbuchausleihe am Sebastian-Münster-Gymnasium.
Das online-basierte Ausleihprocedere war hoch arbeitsaufwändig, brachte Schülern, die seinerzeit beim Zusammenstellen der Buchpakete halfen, einen gut dotierten Ferienjob. Sehr viel zusätzliche Arbeit kam dabei auf die Schulsekretariate zu. Thomas Zöller, Pressesprecher des Schulträgers, der Kreisverwaltung Mainz-Bingen, brachte seinen ausdrücklichen Dank für generell viel und gut geleistete Arbeit - nicht nur am SMG - zum Ausdruck.
Die Logistik der Rückgabeaktion im Sebastian-Münster-Gymnasium wurde über den Ferienstart hinausgehend bis vergangenen Freitagnachmittag in der dortigen Mensa abgewickelt. Franz Diehl informierte, dass keine unlösbaren Probleme zu verzeichnen gewesen seien, obwohl auch hier wieder Neuland betreten werden musste. Zudem war die Maßnahme am Schuljahresende durchzuführen, „in einer Phase, in der sowieso der Teufel los ist.“
Natürlich hat der Computer einige Vorfälle nicht erfasst, obwohl das System diese vorgesehen hatte. Natürlich kam es zum Verlegen von Rücknahme-Scheinen, Bücher verschwanden, es kam zum Vertauschen namentlich codierter Exemplare: Wenn Max und Moritz gemeinsam paukten und Moritz irrtümlich mit Maxens Buch davon ging. In Einzelfällen präsentierten sich Schüler um 17.20 Uhr - der PC war bereits lange abgeschaltet - und stellten fest, „ja aber es ist doch gesagt worden, man könne bis um fünf zurückgeben“.
Für diese Rücknahme-Aktion tellte die Kreisverwaltung ihre Auszubildenden zur Abwicklung zur Verfügung. Sie entschieden auch über die Weiterverwendbarkeit des zurückgegebenen „Lesegutes“. Und machten den Gymnasiasten am SMG ein Riesenkompliment. Ein einziges Deutschbuch, dem man schon von weitem ansah, dass es sehr unter den Lernbemühungen gelitten hatte, wurde aus hunderten aussortiert. Ein Fall, in dem der Schaden sicherlich ersetzt werden muss.

