Über Jugendarbeit in die Politik
25.06.2011 - INGELHEIM
Von Gerhard Grunwald
OBERBÜRGERMEISTER SPD-Kandidat Ralf Claus schätzt täglich neue Herausforderungen
Das Rathaus ist für Ralf Claus ein ihm sehr vertrauter Ort, in seiner Funktion als Bürgermeister geht er hier seit seiner Wahl im März 1999 täglich ein und aus. Jetzt hat der Sozialdemokrat ein besonderes Ziel vor Augen. Er will, dass der Zusatz „Ober“ vor seinen Titel als Bürgermeister kommt. Nachdem er sich 2003 bei seiner ersten Kandidatur für das Oberbürgermeisteramt in der Stichwahl noch äußerst knapp Dr. Joachim Gerhard (CDU) geschlagen geben musste, zeigt sich der 50-Jährige zuversichtlich, dass es nun im zweiten Anlauf am 28. August klappen wird.
Ralf Claus ist ein waschechter Ingelheimer, besuchte die Präsident-Mohr-Grundschule, dann zunächst die Realschule in Bingen, bevor er auf die Realschule in Ingelheim wechselte. Nach der Mittleren Reife führte sein Weg ans Sebastian-Münster-Gymnasium, wo er 1979 das Abi machte. Nach Bundeswehrzeit, Kriegsdienstverweigerung im Status eines Reservisten und darauf folgender dreimonatiger Zivildienstzeit beim Weiterbildungszentrum studierte Claus in Mainz Politik, Publizistik und öffentliches Recht. Mit dem Titel „Magister Artium“ verließ er Jahre später die Universität, um eine erste Stelle bei einem Wirtschaftsinformationsdienst in Mainz anzutreten. „In dieser Position habe ich unter anderem Förderprogramme für die gewerbliche Wirtschaft und Kommunen entwickelt“, blickt der heutige Bürgermeister auf die Anfänge seines Berufslebens zurück.
In die Politik ist der verheiratete Vater von zwei erwachsenen Söhnen über sein Engagement in der Jugendarbeit gekommen. „Ich war als junger Mann im Verband christlicher Pfadfinder in Ober-Ingelheim in unterschiedlichen Leitungsfunktionen aktiv. Zudem habe ich sehr früh auch im Haus der Jugend in der Gruppe der Ehrenamtlichen mitgearbeitet“, erinnert sich Claus. Über diese Aktivitäten führte sein Weg schließlich in den Vorstand des Stadtjugendrings. „Ausschlaggebend für mein kommunalpolitisches Engagement war die Diskussion um ein neues Haus der Jugend. Da kam ich in Kontakt mit den Fraktionen“, erzählt Claus. Die SPD bot ihm schließlich einen Sitz im Jugendausschuss an. 1985 trat er dann in die Partei ein, kurz darauf führte der Weg in den Ortsvereinsvorstand, 1989 wurde er erstmals in den Stadtrat gewählt. Neun Jahre später, 1998, übernahm Claus das Amt eines ehrenamtlichen Beigeordneten für Jugend und Soziales, ehe er 1999 als Nachfolger von Rolf Drewes den Bürgermeistersessel bestieg.
„Ich denke, in den Bereichen, in denen ich Verantwortung trage, habe ich meine Sache gut gemacht“, zeigt sich Claus durchaus selbstbewusst. Quasi als Beleg für diese Aussage verweist er auf Projekte, die in seiner Amtszeit „gestemmt“ wurden: die Rheinwelle, das Mehrgenerationenhaus, das neue Kultur- und Jugendzentrum, die Sanierung und der Umbau des Freibades, der Ausbau der Kinderbetreuung und Grundstücksankäufe zur Gestaltung der Stadtentwicklung. „Ich weiß gut, auf was ich mich einlasse, die Arbeit an der Spitze einer Verwaltung ist sehr anstrengend, sie macht aber auch sehr viel Spaß“, meint Claus, der infolge seines bisherigen Wegs die Kandidatur für den Oberbürgermeisterposten in Ingelheim nur als konsequent erachtet.
Bei all der Belastung, die der berufliche Alltag mit sich bringt, ist die Zeit fürs Privatleben begrenzt. „Ich bin ein geselliger Mensch, gehe gerne weg, schätze die Weinhöfefeste und gute Gastronomie“, gewährt der Sozialdemokrat Einblick ins Persönliche. Ein Freundeskreis außerhalb der Politik ist dem passionierten Läufer, Ski- und Radfahrer eigener Aussage nach äußerst wichtig. „Diese Stimmen sind durchaus ein Regulativ“, weiß er. Und wenn Claus einmal richtig entspannen will, greift er gerne zu Kriminalromanen, „zu guten“, wie er betont. Zeit zur genüsslichen Lektüre von Sherlock Holmes und Co. dürfte in den kommenden Wochen aber eher weniger sein ...

