Dribbeln auf Straße gelernt
25.06.2011 - INGELHEIM
Von Beate Schwenk
FRAUEN-WM Nachwuchskickerinnen der Spielvereinigung freuen sich auf Turnier
Wenn die deutschen Fußball-Frauen am Sonntag, 26. Juni, ihr erstes WM-Spiel bestreiten, werden Annica, Antonia, Carolin und Kim gebannt vor dem Fernseher sitzen. Die Mädels, allesamt zwölf Jahre alt, kicken bei der Spielvereinigung Ingelheim. Während der WM werden sie dem deutschen Team kräftig die Daumen drücken. Und nicht nur das, die Schülerinnen hoffen auf eine erfolgreiche Titelverteidigung.
„Deutsche sind wieder Favorit auf den Titel“
Annica ist überzeugt, dass es auch diesmal klappen wird. „Die Deutschen waren die letzten zwei Mal Weltmeister, und sie sind auch diesmal Favorit“, meint die Schülerin, die im U-12-Team der Spielvereinigung zwischen den Pfosten steht. Etwas vorsichtiger sind Annica und Carolin, die im Mittelfeld beziehungsweise in der Abwehr spielen. „Wir kommen unter die letzten Drei“, ist Annicas Tipp. „Die Vorbereitung war ja ziemlich gut“, weiß Carolin, die die letzten Testspiele aufmerksam verfolgt hat. Ihre Teamkollegin Kim, die bei der U 12 im Sturm für Wirbel sorgt, ist zwar ebenfalls optimistisch, verliert aber auch die Konkurrenz nicht aus dem Blick. „Die Deutschen können gewinnen“, meint sie. „Aber es gibt schwere Gegner wie die USA und Brasilien.“
Das Dribbeln haben die Schülerinnen, wie sie sagen, allesamt auf der Straße gelernt. Beim Spielen mit Brüdern oder Nachbarskindern ist der Funke übergesprungen. Inzwischen sind die Mädchen längst im Verein aktiv. Mehrmals pro Woche wird im Stadion im Blumengarten trainiert. Technik und Taktik wird ihnen von Trainerin Bärbel Wohlleben vermittelt, deren Name vielen Fußball-Fans seit Jahrzehnten ein Begriff ist. 1974 erzielte sie als erste Frau das Tor des Monats.
Pionierin war die heute 67-Jährige schon in ihrer Jugend. Als einziges Mädchen in ganz Rheinland-Pfalz durfte die gebürtige Ingelheimerin mit einer Sondergenehmigung bei den Jungs mitspielen. Eine Vorreiterrolle hatte sie obendrein als Trainerin.
Bereits 1964 machte Wohlleben, die mit der TuS Wörrstadt in den 1970er Jahren zweimal die Deutsche Meisterschaft errang, ihren ersten Trainerschein. Weitere Lizenzen in verschiedenen Sportarten folgten. Auch heute noch übt sie ihren Job als Fußballlehrerin mit viel Herzblut aus. Mehrmals pro Woche steht sie mit ihren Mädels auf dem Platz. Ihr Ziel: mit den Nachwuchstalenten der Spielvereinigung etwas aufzubauen.
Vereinsfußball lange Zeit für Mädchen und Frauen tabu
Ein mühsames Geschäft, wie die 67-Jährige weiß. Denn Vereinsfußball war für das weibliche Geschlecht lange Zeit tabu, erst 1970 hob der DFB das Frauenfußballverbot auf. Daran gemessen hat es in den letzten Jahren eine rasante Entwicklung gegeben. Auch in Ingelheim hat sich im Nachwuchsbereich einiges getan. 30 talentierte Mädels sind inzwischen in verschiedenen Altersklassen aktiv. „Es sieht ganz gut aus“, sagt Bärbel Wohlleben, die in diesen Tagen eine begehrte Interviewpartnerin ist. Im Vorfeld der Frauen-Fußball-WM im eigenen Land ist die Meinung der Expertin gefragt. Auch ihre Schützlinge schätzen die Kompetenz ihrer Trainerin. „Sie kann uns nicht nur gute Tipps geben, sie macht auch alles vor“, loben Annika, Antonia, Carolin und Kim.
Dass ihre Trainerin als erste Frau das Tor des Monats geschossen hat, darauf sind die Mädchen stolz. „Wir haben das auch schon mal gesehen“, erzählen die Schülerinnen, die alle vier das Sebastian-Münster-Gymnasium besuchen.

