Charmanter Entertainer
26.03.2011 - INGELHEIM
Von Joachim Kühn
BENEFIZ-ABEND Tenor Shumel Barzilai verzaubert Besucher im Ratssaal
Auf Einladung der Stadt und des Deutsch-Israelischen Freundeskreises (DIF) gastierte jetzt der Tenor und Oberkantor der Israelitischen Kultusgemeinde in Wien, Shmuel Barzilai, zu einem Benefiz-Abend. Wer einen klassischen Konzertabend im Ratssaal der Stadt Ingelheim erwartet hatte, lag allerdings völlig falsch. Der Sänger erwies sich als charmanter Entertainer, der in Begleitung von Zoltan Neumark am Flügel das Publikum mit seiner Stimme und seiner Ausstrahlung in den Bann zog.
Einfühlsam und fröhlich zugleich
Einfühlsam bei liturgischen Liedern, wie dem „Avinu schebaschamajim“, aber auch fröhlich bei den jüdischen Volksweisen demonstrierte Barzilai das breite Spektrum seines großen Könnens. Mit der „Kippa“, der traditionellen jüdischen Kopfbedeckung geschmückt, animierte der in Jerusalem geborene Sohn einer bekannten Kantorenfamilie die zahlreichen Zuhörer immer wieder erfolgreich zum Mitsingen der Lieder. Und zwischendurch ließ der Künstler auch durch eingestreute Witze à la Ephraim Kishon, bei der sich die Juden selbst auf den Arm nehmen, an seiner positiven Lebenseinstellung teilhaben. Spätestens beim „Haben Yakir Li“ in der Version von Samuel Malavsky oder der Hymne „Adon Olam“ (Herr der Welt), das als Potpourri aus mehreren Versionen zusammengestellt ist, schlüpfte die Zuhörerschaft begeistert in die Rolle des Chors, der vom Kantor (Vorbeter) geleitet wird. Der „Schnellkurs in Hebräisch“ durch den lyrischen Tenor trug somit erste Früchte. Einer der vielen musikalischen Höhepunkte an diesem Abend ist zweifelsohne die Arie „E Lucevan le Stelle“ aus der Oper „Tosca“ von Giacomo Puccini, bei der Barzilai mit seiner kraftvollen und klaren Stimme auch in höchsten Lagen brillierte.
„Hava Nagila“ zum Ende eines wunderbaren Abends
Mit dem wohl bekanntesten hebräischen Volkslied „Hava Nagila“ („Lasst uns glücklich sein“) endete ein wunderbarer und unterhaltsamer Konzertabend, dessen Protagonisten mit lang anhaltendem Applaus verabschiedet wurden. Es wäre zu wünschen, dass der nächste Auftritt des begnadeten Künstlers, der auf Initiative des Ehrenvorsitzenden Hans-Georg Meyer den Weg in die Rotweinstadt gefunden hatte, ein noch breiteres Publikum findet. Wie eingangs bei den Grußworten durch Klaus Dürsch, Vorsitzender des DIF, Oberbürgermeister Dr. Joachim Gerhard und Anat Sultan-Dadon von der israelischen Botschaft in Berlin erläutert wurde, kommt der Erlös der Veranstaltung der Wiederaufforstung des „Michael-Sternheimer-Waldes“ zugute. Ein Feuerinferno in Israel hatte im Dezember letzten Jahres mehr als 40 Menschenleben gefordert und eine gigantische Spur der Zerstörung hinterlassen, bei der u.a. mehr als 5 Millionen Bäume verbrannt waren. Der Deutsch-Israelische Freundeskreis hat es sich deshalb zur Aufgabe gemacht, einen Wald auf dem Carmel bei Haifa zu finanzieren.

