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Rheingau 

Nach Besäufnis: EBS in Oestrich-Winkel sagt weitere Aufnahmerituale ab

08.09.2010 - OESTRICH-WINKEL

Von Erdal Aslan

Das Besäufnis von angehenden Studenten bei einem Aufnahmeritual an die European Business School (EBS) und der anschließende Polizeigroßeinsatz am Samstag hat Folgen. „Im nächsten Jahr wird es so eine Veranstaltung nicht mehr geben“, kann Angela Kunwald, Pressesprecherin der EBS, jetzt schon versichern. „Wir hatten eine klare Vereinbarung, dass kein Alkohol ausgeschenkt wird.“

Am Samstagnachmittag mussten sich Polizeibeamte und Einsatzkräfte um betrunkene Erstsemester in den Oestricher Weinbergen kümmern, nachdem diese gegen 13.45 Uhr aufgefallen waren. Zehn Personen wurden zur Ausnüchterung ins Rüdesheimer Krankenhaus gebracht, wie die Polizei mitteilte. Zeitweise suchten zwei Hubschrauber in den Weinbergen und am Rheinufer nach weiteren Betrunkenen.

Wer zahlt die Kosten?

Es müsse über die Kosten des Rettungseinsatzes gesprochen werden, fordert Landrat Burkhard Albers. „Denn das ist kein Versehen, sondern eine planvoll herbeigeführte Gesundheitsgefährdung, die hätte verhindert werden müssen.“ Albers zeigt sich erleichtert, dass keiner der Studenten bleibende Schäden davongetragen habe. Doch es sei unverständlich, „weshalb ältere Studenten, die zur Betreuung der Erstsemester bereitstanden, nicht mäßigend eingegriffen haben, und warum das eigens für die Einführungsveranstaltung engagierte Sicherheitspersonal nicht tätig wurde“.

Felix Derkum, Vertreter der Studentenschaft, war am Samstag mit von der Partie und kann nicht verstehen, dass die sogenannte Schnitzeljagd in diesem Jahr so „ausgeufert“ sei. Man habe rechtzeitig abgebrochen, als der Ernst der Lage bewusst geworden sei und der Polizei geholfen. „Wir haben dieselben Vorkehrungen wie im letzten Jahr getroffen. Ein Großteil der Studenten hat sich auch an die Regeln gehalten“, sagt Derkum.

Jedes Jahr organisiere man die Veranstaltung, deren Sinn und Zweck es sei, die Studenten aufeinander einzuschwören. Die Erstsemester laufen bestimmte Routen in den Weinbergen zwischen Eltville und Oestrich ab und müssen kleine Aufgaben wie zum Beispiel ein Improvisations-Theater aufführen. Derkum kann die Entscheidung der EBS absolut nachvollziehen, findet es aber schade, weil die Schnitzeljagd eine beliebte teambildende Maßnahme sei.

Keine Genehmigung nötig

Das Ordnungsamt musste die Veranstaltung nicht genehmigen, sagt Bürgermeister Paul Weimann, „da keine Straßen gesperrt werden müssen“. Zudem sei versichert worden, dass kein Alkohol im Spiel sei. „So ein Vorfall schadet dem Image der EBS, des Rheingaus und der Stadt“, merkt Weimann an. Ihm sei vom EBS-Präsidenten Christopher Jahns versichert worden, dass keine derartige Veranstaltung im nächsten Jahr stattfinden werde.

Landrat Albers warnt vor einer Vorverurteilung der jungen Elitestudenten, die im Bachelor-Studium 5.750 Euro pro Semester zahlen. Er zweifle nicht an einer angemessenen Reaktion der Universitätsleitung. „Wenn alles ausgewertet ist, werden wir uns am Mittwochabend mit den Studenten treffen und über weitere Konsequenzen sprechen“, sagt EBS-Sprecherin Kunwald.

„Wir haben uns klar auf die Fahnen geschrieben, verantwortungsbewusste Menschen auszubilden, das ist sogar ins Curriculum integriert.“ Kunwald merkt selbstkritisch an, dass man auch die eigene Arbeit überprüfen werde. „Wir müssen das Verantwortungsbewusstsein noch deutlicher und zwar vom ersten Tag an erwarten.“

Der EBS-Standort in Oestrich-Winkel. Foto: 	RMB / Margielsky

Der EBS-Standort in Oestrich-Winkel. Foto: RMB / MargielskyVergrößern

Forderung nach mehr Aufklärung
Die Landesschülervertretung (LSV) hat nach dem Saufgelage an einer Elite-Uni im Rheingau mehr Aufklärung über Alkohol gefordert. "Statt die Menschlichkeit der Musterknaben schockiert zu bestaunen, sollten wir präventiv gegen Alkoholismus vorgehen", sagte Landesschülersprecher Tim Huß am Dienstag in Darmstadt. Die "grenzenlose Sauferei von Jugendlichen" sei gerade in Hessen ein Problem. "Jeden Tag saufen sich Schüler ins Koma."
Der Landesschülersprecher verwies auf eine Studie des Bundes, wonach im Jahr 2008 mehr als 2200 hessische Jugendliche aufgrund der Folgen exzessiven Alkoholkonsums im Krankenhaus behandelt werden mussten.
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