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Wiesbaden 

„Kein Ausschlafen wie zu Unizeiten“

16.02.2012 - WIESBADEN

Von Isabell Mittermeier

Berufsanfänger Von der Logistik über den Verkauf bis hin zum Qualitätsmanagment - ein Trainee durchläuft fast alle Bereiche eines Unternehmens

Jeder Bachelorabsolvent kennt wohl die Qual der Wahl: Entweder man setzt das Studium fort, um den Mastertitel zu erlangen, sucht sich den ersten festen Job, macht Ferien - oder wird Trainee bei einem Unternehmen. Für Letzteres hat sich Sabrina Stein entschieden. Seit Oktober 2011 nimmt die Wiesbadenerin am Traineeprogramm des Bio-Lebensmittelunternehmens Alnatura aus Bickenbach teil und ist damit sehr zufrieden. „Ich lerne sehr viel dazu, vor allem was selbstverantwortliches Arbeiten angeht“, erzählt die 25-Jährige, die an der Hochschule RheinMain in Wiesbaden ihren Bachelor in Business Administration gemacht hat.

Als Trainee durchläuft man die Abteilungen eines Unternehmens und wird auf eine eventuelle Führungsrolle vorbereitet. Sabrina hatte zunächst aber gar nicht daran gedacht, sich auf einen Trainee-Posten zu bewerben. „Durch Zufall bin ich auf Alnatura als Arbeitgeber aufmerksam geworden: weil ich mich nach einer kleinen Sinnkrise bezüglich unseres Wirtschafts- und Bildungssystems mit alternativen Studiengängen beschäftigt habe. Dabei bin ich auf den Bachelorstudiengang ‚Wirtschaft neu denken‘ gestoßen, den man in Bonn studieren kann. Der Unternehmensgründer von Alnatura hat auch diesen Studiengang mitbegründet, so kam dann eins zum anderen“, sagt Sabrina. Insgesamt 18 Monate durchlaufen sie und ihre Traineekollegen verschiedene Bereiche des Unternehmens, von der Logistik bis hin zum Qualitätsmanagement.

Obwohl die Trainees von Alnatura die Möglichkeit erhalten, sich zu Führungskräften weiterzuentwickeln, und die Abteilungen hier im ersten Augenblick genau wie die in anderen Unternehmen erscheinen, läuft doch alles etwas anders: „Man bekommt keinen festen Plan, was man wie und wann machen soll. Man kann frei entscheiden, welchen Bereich man sich wie lange anschauen und welche Projekte man übernehmen und selbst anstoßen will. Das ist erst einmal eine große Herausforderung, sich auf diese Weise einzufinden“, erzählt Sabrina.

Über Langeweile kann sie sich bis jetzt nicht beklagen. „Besonders das Thema Nachhaltigkeit interessiert mich sehr, zu sehen, ob da wo ‚Fair Trade‘ draufsteht, auch wirklich fairer Handel betrieben wurde.“ Um die Lieferanten der Bio-Produkte kennenzulernen, ist Sabrina durch ganz Deutschland unterwegs, zuletzt im Allgäu, in Köln und Lübeck. „Es kommt dann schon öfter vor, dass ich erst nachts um drei Uhr nach Hause komme, oder um vier Uhr in der Frühe los muss“, erzählt sie.

Zu Beginn ihrer Zeit bei Alnatura standen zunächst zwei Wochen Mitarbeit in einer Filiale auf dem Programm. „Der Einstieg war gut, um die Arbeit in der Filiale, den direkten Kontakt zu unseren Kunden und das Sortiment kennenzulernen“, sagt Sabrina. Bei diesen zwei Wochen bleibt es allerdings nicht - ab März wird sie fünf Monate lang in einer Filiale ihrer Wahl arbeiten.

Ganz nach dem Motto der Firmenphilosophie „Sinnvoll für Mensch und Erde“ bietet das Unternehmen aus Bickenbach bei Darmstadt seinen Mitarbeitern Aktivitäten wie Theaterspielen oder einen Lesekreis über philosophische Themen an, die Sabrina sehr gerne wahrnimmt, denn: „Viel freie Zeit bleibt nicht, vom Ausschlafen wie zu Unizeiten ganz zu schweigen“, räumt sie ein.

Mit ihrem Gehalt ist Sabrina sehr zufrieden und will es sparen, „um viel zu reisen und mir bald eine eigene Wohnung leisten zu können“. Nach Ablauf der eineinhalb Jahre möchte sie gerne bei Alnatura bleiben und zusätzlich einen dualen Masterabschluss machen. Darauf legt sie nach dem spannenden Einblick in die etwas andere Welt der Wirtschaft großen Wert.

Bei Sabrina ist alles im grünen Bereich.	Foto: privat

Bei Sabrina ist alles im grünen Bereich. Foto: privat Vergrößern

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