Wer wird denn gleich in die Luft gehen...
30.03.2011 - WIESBADEN
Von Vivienne Matz
WORK AND TRAVEL Lelia studiert Erziehungswissenschaften und jobbt in den Semesterferien als Flugbegleiterin bei der Lufthansa
Inzwischen war sie in 50 Städten rund um den Globus, schätzt Lelia. Zwei Jahre ist die 24-Jährige neben dem Studium geflogen - als Flugbegleiterin bei der Lufthansa. Im Sommer wird sie erneut abheben. Angefangen hat alles Ende 2005, kurz vor Lelias Abitur: Erst will sie als Au-pair ins Ausland, dann liest die Mutter in der Zeitung, dass die Lufthansa Flugbegleiter sucht. „Ich wollte nicht direkt mit dem Studium anfangen, sondern eine kleine Auszeit haben“, erklärt sie. Und die Stellenanzeige kommt ihr da gerade recht - viel herumkommen, das reizt sie.
Auf ihre Bewerbung folgt ein Telefoninterview: „Ich wurde gefragt, wieso ich Flugbegleiterin werden möchte, was es für Vor- und Nachteile gibt, ob ich Tätowierungen habe und was guten Service ausmacht.“ Teilweise wird das Interview auf Englisch geführt. „Dich kann eben alles erwarten.“
Die Schülerin erhält eine Einladung zum Auswahltag ins Assessment-Center der Lufthansa-Basis am Flughafen Frankfurt. Die 20 Teilnehmer müssen in Gruppen das Design für den Alltagsgegenstand eines Flugbegleiters entwerfen - in Lelias Fall eine Nackenrolle. Beobachtet werden sie von einem Psychologen. „Es war klar, dass der darauf achtet, wie du dich einbringst und mit den Anderen zusammenarbeitest.“ Es folgen ein Englischtest, Einzelgespräche und Rollenspiele mit den Psychologen, die Situationen im Flugalltag darstellen - wie den Umgang mit einem rauchenden Passagier.
Nach zwei Tagen erhält Lelia eine Zusage. Sie bewirbt sich für das Modell A - Flugbegleiterin für kontinentale und interkontinentale Flüge, zeitlich unbeschränkt. Im August fängt die zweimonatige Ausbildung an: montags bis freitags, ganztägig, für ein monatliches Gehalt von 380 Euro. Lelia erhält ihre Uniform: Zwei Röcke und Hosen, Blusen, zwei Blazer, zwei Westen und drei Tücher sowie die „Pillbox“ - das Hütchen. Finanziert wird die Berufskleidung teils aus eigener Tasche, teils per Arbeitgeberanteil. Dazu gibt es eine dreiseitige Kleiderordnung. „Zum Beispiel muss der Nagellack den gleichen Farbton wie der Lippenstift haben“, erklärt Lelia und an ihrem Tonfall lässt sich erkennen, wie überspitzt sie das findet. Für das erwünschte „typgerechte“ Make-up gibt es während der Ausbildung eine zweistündige Schminkschule.
Das äußere Erscheinungsbild der Flugbegleiter scheint ebenso wichtig wie ihre Ausbildung in Service und Sicherheit. Bei straffem Stundenplan werden Lelia und die Kollegen für Notfälle an Bord, in Erster Hilfe sowie psychologisch geschult. „Wir sind nicht nur für den Service, sondern auch für die Sicherheit zuständig“, erklärt sie. Ausgebildet wird in und an Simulatoren und Attrappen: Evakuierungen bei Notwasserung, Notfälle und Umgang mit Passagieren. Den Abschluss der Ausbildung bilden zwei Einweisungsflüge - für Lelia geht’s ins indische Mumbai. „Ich habe direkt beim ersten Flug geheult, weil ich etwas vergessen hatte und so perfektionistisch war“, erinnert sie sich. Heute kann sie darüber lachen. „Irgendetwas vergisst man immer.“

