Von Oliver Kreft
ELDIA EU-Forschungsprojekt mit Mainzer Beteiligung
Es geht um nicht weniger als die Rettung vom Aussterben bedrohter Sprachen: An der Universität Mainz fiel gestern der Startschuss für das EU-Forschungsprojekt ELDIA (European Language Diversity for All) mit dem Ziel, ein "Sprachvitalitätsbarometer" für europäische Minderheitensprachen zu entwickeln.
Welche Faktoren sind es, die den Fortbestand einer Sprache gefährden? Eine Antwort auf diese Frage versprechen sich die über 30 am Forschungsprojekt beteiligten Wissenschaftler aus sieben europäischen Ländern von einem "Vitalitätsbarometer". Dieses Instrument soll laut der Projektkoordinatorin Prof. Anneli Sarhimaa von der Johannes Gutenberg Universität "auf alle Minderheitensprachen weltweit übertragbar" sein. Es soll alle Bedrohungen zuverlässig erfassen und aufzeigen.
Nach Auffassung von Sarhimaa ist die linguistische Landschaft Europas "tiefgreifenden Veränderungen" ausgesetzt. Dass Sprachen an Bedeutung verlören, sei auch auf "Innovationen und Entwicklungen in der Sprachpolitik, im Bildungswesen und im Migrationsverhalten" zurückzuführen.
Im Fokus von ELDIA: Zwölf finnougrische Sprachen, die von 14 Sprachgemeinschaften in Nordeuropa, Russland, Slowenien, Österreich und Deutschland (hierzulande von eingewanderten Esten) gesprochen werden. Eine dieser Minderheitensprachen ist beispielsweise das von weltweit nur noch rund 85 000 Menschen gesprochene Karelisch.
In den kommenden dreieinhalb Jahren stellt die Europäische Kommission insgesamt 2,7 Millionen Euro für das Projekt zur Verfügung, bei dem es sich nach Angaben der ELDIA-Projektmitglieder um das größte seiner Art zur Erforschung von Minderheitensprachen handelt.
Am Forschungsprojekt beteiligt sind Wissenschaftler aus den angewandten Sprachwissenschaften, der Rechtswissenschaft, der Soziologie und der Statistik. Sie kommen von den Universitäten Mainz, Helsinki, Oulu, Tartu, Wien, Maribor, Stockholm und dem Friedensinstitut der Alandinseln.

