Von Michael Heinze
FORSCHUNG Universitätsmedizin kooperiert mit chinesischen Partnern
Mit Nanobiotechnik aus der Tiefsee neuartige Materialien für den Zahn- und Knochenersatz zu entwickeln: Darum dreht es sich bei einem neuen Projekt einer deutsch-chinesischen Forschungseinheit mit Mainzer Beteiligung. Mit der feierlichen Unterzeichnung des Kooperationsvertrages fiel gestern im Alten Senatssaal der offizielle Startschuss für die Zusammenarbeit zwischen Universitätsmedizin und Johannes Gutenberg-Universität sowie der Tsinghua University und der Chinese Academy of Geological Sciences in Peking.
Neuartige Bio-Materialien
Ziel der zunächst auf fünf Jahre angelegten Arbeit ist es, eine gemeinsame Forschungseinheit zu etablieren, die sich "Joint Lab: Bio-Nano-Komposite" nennt. Die Gründung dieses wissenschaftlichen Exzellenzzentrums soll zum einen helfen, globale Probleme auf dem medizinischen Sektor sowie im Umweltbereich zu lösen. Andererseits sollen auch die Patentierung und kommerzielle Verwertung der Forschungsergebnisse gefördert werden.
Die Forschungen des deutsch-chinesischen Projekts konzentrieren sich auf die Entwicklung neuartiger Bio-Materialien für den Zahn- und Knochenersatz. Sie bauen auf Erkenntnissen auf, die man bei Untersuchungen zur Biosynthese anorganischer Verbindungen durch Tiefseeorganismen gewonnen hat. Die Wissenschaftler versprechen sich unter anderem Fortschritte bei der Behandlung von Osteoporose und Knochenbrüchen. Die Zusammenführung der sehr unterschiedlichen Kompetenzen, die auf diesem Gebiet in beiden Ländern vorhanden sind, verspreche hohe Synergieeffekte.
Das Projekt gehört zum "Deutsch-chinesichen Jahr der Wissenschaft und Bildung 2009/1 sowie Teil eines Programms, mit dem das Bundesforschungsministerium Partnerschaften mit asiatisch-pazifischen Forschern fördert. Als Koordinator agiert Prof. Dr. Werner Müller vom Institut für Physiologische Chemie und Pathobiochemie der Universitätsmedizin. Müller und sein Kollege Prof. Dr. Dr. Heinz C. Schröder sind weltweit führende Experten, wenn es um die Identifizierung, Klonierung und gentechnologische Herstellung von Enzymen geht, die Tiefseeschwämmen die Synthese ihres Silikatskeletts ermöglicht.
Globale Probleme lösen
Von einer "sehr fruchtbaren und effektiven Kooperation" sprach Prof. Dr. Ulrich Förstermann, Uni-Vizepräsident für Forschung. Laut Brigitte Klempt von Wissenschaftsministerium stellt die Zusammenarbeit "eine ausgezeichnete Möglichkeit" dar, "um die Mainzer Universitätsmedizin international zu vernetzen und noch wettbewerbsfähiger zu machen". An der Schnittstelle zwischen Medizin, Material- und Umweltwissenschaften verspreche sie sich "von dieser herausragenden Forschungseinheit wichtige innovative Impulse". Mit der Vereinbarung das vom Wissenschaftsministerium geförderten Forschungsprojekts zwischen Mainz und Peking gelinge "ein großer Schritt in Richtung einer Lösung globaler Probleme in den Bereichen Medizin und Umwelt", meinte Prof. Dr. Dr. Reinhard Urban, Wissenschaftlicher Vorstand der Universitätsmedizin Mainz.

