Leuchtturm mit Strahlkraft: Richtfest für Institut für molekulare Biologie in Mainz
02.09.2010 - MAINZ
Von Werner Wenzel
Schon im März 2011 soll der Gründungsdirektor des Instituts für Molekulare Biologie (IMB) an der Johannes Gutenberg-Universität den ersten Bauabschnitt beziehen können. Das wurde am Mittwoch beim Richtfest des 45,5-Millionen-Euro-Gebäudes bekannt. Nur knapp neun Monate hat es von der Grundsteinlegung bis zum Richtfest gedauert. Manchem sei wohl „angesichts des rasanten Baufortschritts“ trotz des harten Winters zuweilen der Mund offen stehen geblieben, sagte Universitätspräsident Prof. Dr. Georg Krausch.
Das anspruchsvolle Ziel, das Institut in maximal zwei Jahren hochzuziehen, lobte der Präsident, sei nur durch den Einsatz der Landesregierung machbar gewesen, nachdem die Boehringer Ingelheim Stiftung angekündigt hatte, den Betrieb eines „Exzellenzzentrums für Lebenswissenschaften“ mit 100 Millionen Euro in den ersten zehn Jahren ausstatten zu wollen. Dies sei „ein außergewöhnlicher und wegweisender Schritt“ gewesen, sagte Krausch, ein Schritt, der „in vorbildlicher Weise für bürgerschaftliches Engagement“ stehe.
Ahnen erinnert an geistigen Vater
Forschungsministerin Doris Ahnen erinnerte daran, „dass das Projekt auch einen geistigen Vater hat“, den Vorsitzenden der Boehringer Ingelheim Stiftung, Otto Boehringer. Wie Krausch hoffe sie auf Nachahmer. „Aber es wird nicht einfach, sie zu finden“. Wenn mit dem IMB alles so weitergehe wie bisher, dann sehe sie für das „Leuchtturmprojekt“ eine glänzende Zukunft voraus. Dafür stehe auch Gründungsdirektor Prof. Dr. Christof Niehrs. Sie sei auch „ein bisschen stolz darauf“, so Ahnen, in diesem Amt einen Leibnizpreisträger in der Wissenschaftsstadt Mainz willkommen zu heißen. Aus dessen bisheriger Wirkungsstätte, dem Deutschen Krebsforschungszentrum in Heidelberg, waren Kollegen gleich mit einem ganzen Bus gekommen.
„Das Institut soll weltweit ein Leuchtturm werden“, formulierte Otto Boehringer denn auch den Anspruch an die Wissenschaftler, und er zeigte sich zuversichtlich: „Mit großen Schritten kommen wir diesem Ziel näher.“ Anlass für das Engagement sei das 125-jährige Bestehen des Unternehmens in diesem Jahr gewesen, sagte Stiftungschef Boehringer. „Spitzenforschung braucht erstklassige Infrastruktur“, so der Stifter. Bau- und Finanzminister Carsten Kühl ist optimistisch, dass die vom Land dafür investierten „45 Millionen Euro gut angelegtes Geld sind“.
Von den Bauaufträgen profitiere vornehmlich die mittelständische Wirtschaft, im Hochbau seien dies 25 von 26 Firmen, davon 14 aus der Region. Auch ohne Generalunternehmer lasse sich der ehrgeizige Zeitplan halten, so Kühl. Rund 100 Personen arbeiten derzeit auf der Baustelle am Ackermannweg unmittelbar an der Einfahrt des Campus.
Auch internationale Standards erfüllt
180 Mitarbeiter sollen es künftig einmal sein, wenn Prof. Dr. Christof Niehrs seine Forschungsarbeit am Institut aufnimmt. Im Hörsaal des IMB, provisorisch mit Bierbänken für die Feierstunde möbliert, nahm Niehrs zunächst bescheiden in der sechsten Reihe Platz – als Wissenschaftler indes steht er ohnehin in der ersten Reihe. Dass er das Mainzer Angebot angenommen habe, sagte Unipräsident Krausch, sei Beweis dafür, dass man am Wissenschaftsstandort Mainz auch internationale Standards der Spitzenforschung erfülle. Schon seit seiner Berufung im Mai, erst recht seit seinem offiziellen Amtsanstritt im Juli habe der Top-Forscher seine Vorstellungen in enger Abstimmung mit dem federführenden Landesbetrieb Liegenschafts- und Baubetreuung (LBB) einbringen können.
Molekulare Entwicklungsbiologie, Epigenetik und DNA-Reparatur, das sollen die Schwerpunkte sein, denen sich die Forscher am IMB widmen. Die Begriffe „Altern“, „Krebs“ und „Gesundheit“ stehen im Logo des Instituts für die Forschungsbereiche der Wissenschaftler.
Für die Bauarbeiter sprach Polier Thomas Wagner von der Firma Züblin den Richtspruch. Für ihn und seine Kollegen aus den anderen Gewerken geht es jetzt darum, in nur sieben Monaten den ersten Bauabschnitt für die Forscher fertigszustellen – damit der Leuchtturm seine Strahlkraft entfalten kann.

