Sind Mainzer gegen Wein allergisch? Uni führt Studie durch - 4.000 Fragebögen
26.08.2010 - MAINZ
(lei) Allergien sind auf dem Vormarsch, aber was genau die Ursachen für diese Zunahme sind, ist nicht eindeutig geklärt. Auslöser sind oft Nahrungsmittel wie zum Beispiel Nüsse oder Milch. Zum ersten Mal überhaupt untersucht nun eine Studie an der Johannes Gutenberg-Universität, ob und in welchem Ausmaß auch Wein eine allergische Reaktion auslösen kann. Dazu schreibt die JGU nun 4.000 Einwohner der Stadt Mainz an und bittet sie um ihre Mitarbeit bei der Beantwortung eines Fragebogens für die Weinallergie-Studie.
Wir betreten damit absolutes Neuland, weil bisher noch nirgends auf der Welt wissenschaftlich untersucht wurde, wie häufig eine solche Allergie vorkommt, sagt Prof. Dr. Heinz Decker vom Institut für Molekulare Biophysik. Die Studie soll Aufschluss über das tatsächliche Ausmaß von Weinallergien liefern, ist gleichzeitig aber auch Akzent in der Weinforschung am Standort Mainz ein Gebiet, auf dem die Universität Mainz sich zunehmend etabliert. Die aktuelle Studie wird von der Stiftung Innovation des Landes Rheinland-Pfalz gefördert.
Persönliche Beobachtungen
Dass es Weinallergien tatsächlich gibt, ist den Wissenschaftlern um Institutsleiter Decker nicht zuletzt aus persönlichen Beobachtungen bekannt. Auslöser sind möglicherweise Proteine im Wein, die bei einer Immunreaktion einen geschwollenen Hals oder Atemprobleme hervorrufen können. Lange Zeit wurden bei der Schönung von Weinen die Eiweiße entfernt, weil sie zu einer unerwünschten Trübung führten. Nachdem man aber herausgefunden hat, dass damit automatisch auch Geschmacksstoffe entfernt werden, haben viele Winzer die Schönung wieder modifiziert. Damit verbleiben heute aber auch wieder mehr Eiweiße im Wein mit vielleicht allergischem Potenzial.
Es gibt mehrere Eiweißgruppen, die als Allergieauslöser in Frage kommen, erklärt Decker, dessen Institut auf dem Gebiet der Eiweißforschung langjährige Erfahrung besitzt. Für die Weinallergie-Studie schreiben die Wissenschaftler in dieser Woche 4.000 zufällig ausgewählte Mainzer im Alter zwischen 20 und 70 Jahren an und bitten sie um die Beantwortung von zehn Fragekomplexen zu ihren Konsumgewohnheiten und Allergieerkrankungen.
Ergebnisse noch in diesem Jahr
Wir sehen im Wein ein Naturprodukt und ein uraltes Kulturgut, das nach bisherigen Erkenntnissen in Maßen getrunken wichtige Schutzfaktoren für die Gesundheit enthält. Mit unserer Weinallergie-Studie wollen wir jetzt etwas über die kaum erforschten Weineiweiße erfahren. Decker erwartet, dass erste Ergebnisse der Untersuchung noch in diesem Jahr vorliegen.

