Schmerzfreie Untersuchung
04.03.2010 - MAINZ
Von Saskia Nehring
UNIVERSITÄTSMEDIZIN Experten klären über Darmkrebs auf / Durch Früherkennung heilbar
"Ich hatte es mir viel schlimmer vorgestellt..." sagen die meisten Patienten nach einer Darmspiegelung. Dennoch nutzen nur wenige die kostenfreie Untersuchung ab dem 55. Lebensjahr zur Darmkrebsfrüherkennung. Im Darmkrebsmonat März, initiiert durch die Felix Burda Stiftung, berichten Ärzte der I. Medizinischen Klinik und Poliklinik der Universitätsmedizin Mainz zusammen mit Experten der Stiftung LebensBlicke über neue Techniken in der Früherkennung.
"Dickdarmkrebs ist für viele ein unangenehmes Thema, das häufig verdrängt wird. Dabei ist dieser Krebs durch Früherkennung nahezu komplett verhinder- und heilbar", erklärt Universitäts-Professor Dr. Kiesslich, Leiter der interdisziplinären Endoskopie. Jährlich erkranken laut den Krebsregistern in Deutschland circa 73 000 Menschen an Dickdarmkrebs, 27 000 versterben daran. Damit ist dies bei Männern und Frauen die zweithäufigste Krebsart. Statistisch betrifft es sechs von hundert Menschen im Laufe eines Lebens. "Damit ist dieser Krebs eine Bedrohung, der man aber sehr gut entgehen kann" erläutert Univ-Prof. Dr. Kiesslich. "Eine Untersuchung schmerzt nicht und dauert nur ungefähr 20 Minuten". Bereits währenddessen kann der Arzt schädliches Gewebe schmerzfrei abführen. Dickdarmkrebs entwickelt sich langsam, so dass eine Untersuchung alle zehn Jahre ausreicht.
In der Universitätsmedizin Mainz ist die Technik auf dem neusten Stand: die Firma PENTAX stellt Endoskope mit einem Laser-Mikroskop her. Damit sind kleinste Krebsvorstufen unter 2 Millimetern erkennbar. Diese Polypen, kleine Wucherungen in der Darmschleimhaut, können dank hochauflösendem HDTV (High Definition Television) und einem Farbfilter besser entdeckt werden. Durch die plastischen Bilder können Ärzte auch flache, versteckte Polypen klarer erkennen.
Dr. Carl Christoph Schimanski, Oberarzt der onkologischen Ambulanz, berichtet, dass neue Medikamente, wie die moderne Chemotherapie, so genannte Biologicals und andere in Kombination sehr wirksam sind. Die Rate der Patienten, welche auf eine Behandlung ansprachen, ist auf 60 Prozent gestiegen. Damit steigt auch im metastasierten Zustand, wenn der Krebs ausgebrochen ist, die Lebensdauer auf 25 Monate. "Es ist noch keine prophylaktische Impfung für Darmkrebs möglich, aber Forschungsansätze sind vorhanden. Es lässt sich eine positiver Trend feststellen" so Dr. med. Möhler, Leiter der gastroenterologisch-onkologischen Ambulanz.
Die Universitätsmedizin Mainz bietet durch interdisziplinäre Zusammenarbeit mit der Chirurgie und Radiologie dem Patienten individuelle Behandlung. Eine regelmäßige Kontrolle erhöht somit nicht nur eine Heilungschance, sondern bietet auch die Möglichkeit, entdeckte Krebsfrühformen zu entfernen und eine mögliche Weiterentwicklung zu Krebs zu verhindern.

