Von Daniel Seger
Aus Solidarität zu Kommilitonen anderer Universitäten im In- und Ausland besetzten am Dienstagabend etwa 50 Studenten des Bündnisses Bildungsstreik einen Hörsaal in der Alten Mensa der Universität. Sie protestieren damit unter anderem gegen ein neues Landeshochschulgesetz, welches die Mitsprachemöglichkeiten der Studentengremien im Hochschulrat weiter beschneidet.
„Wir möchten friedlich ein Forum schaffen, um über die drohenden Veränderungen durch ein neues Landeshochschulgesetz aufzuklären, eigenen Forderungen Gehör zu verschaffen und zum Diskutieren einzuladen“, erklären die Geographiestudenten Maren Engessler (23) und Heiko Friedrich (24). Von der Resonanz unter den Studierenden zeigten sich die Initiatoren durchaus zufrieden, zumal der spontanen Aktion keine Ankündigung vorranging. Selbst auf Seiten der Professoren gäbe es dabei großen Zuspruch.
Weniger erfreut zeigte sich Hochschulpräsident Prof. Georg Krausch. „Die Hochschulleitung toleriert die Besetzung der Alten Mensa (...) als Symbol der Unzufriedenheit der Studierendenschaft mit den aktuellen Veränderungen im Bildungssystem, solange der universitäre Betrieb nicht in unangemessener Weise gestört wird“, so Krausch in einer Stellungnahme gegenüber der AZ.
Bildungsstreikwoche vom 16. bis 20. November
In einem Treffen mit den Besetzern bot Krausch deswegen den Besetzern eine Verlegung ihres Protestes in andere Räumlichkeiten an. „Wenn wir darauf eingegangen wären, hätten wir uns der Lächerlichkeit preisgegeben. Dem Präsidenten ging es scheinbar nur um den Betrieb der Uni, über die Inhalte unseres Protestes sprach er nicht mit uns“, so Jan Zombik (21), Student der Philosophie und der Physik.
Der Protest des Bündnisses Bildungsstreik richtet sich in einem zentralen Punkt gegen die Nichtberücksichtigung der Studentengremien im Hochschulrat, wie sie auch im neuen Landeshochschulgesetz bestehen bliebe. Stattdessen würden zunehmend „bedeutende Vertreter“ aus Kultur und Wirtschaft in das Gremium berufen, was den Einfluss von Unternehmen deutlich erhöhe. Damit drohe eine weiter sich verschärfende Ökonomisierung auf Kosten eines sozial gerechten Bildungssystem.
Für die Bildungsstreikwoche vom 16. bis zum 20. November (am 16.11. um 10 Uhr Studentische Vollversammlung, am 17.11. um 11 Uhr Demonstrationsmarsch vom Hauptbahnhof) formuliert das Bündnis eigene Forderungen – gegen eine Entdemokratisierung und einer chronischen Unterfinanzierung der Hochschule, für ein selbstbestimmtes Leben und Lernen an der Universität.
„Wir bleiben hier so lange, bis man unseren Forderungen in der Politik entgegenkommt“, erklärt Engessler stellvertretend für die Besetzer. Bis dahin richten sie sich ein, mit Schlafsäcken, Notebooks und Musik.


Zum Kommentar vom 11.11.
Es ist interessant zu sehen, welche Einstellung manche Menschen zu Politik und Mitbestimmung haben. Wenn einem etwas nicht gefällt, soll man anscheinend einfach den Kopf einziehen und verschwinden. Statt konstruktiv bei der Gestaltung einer Gesellschaft mitzuwirken, vertritt der Autor dieses Kommentares wohl die Meinung, sich alles gefallen lassen zu müssen. Dies wäre eine Politik der Ja-Sager, Abnicker und apathischen und gesteuerten Menschen. Wir führen einen offenen Dialog mit allen und wollen nicht nur als Spielball führender Kräfte dienen.
Und die Erwähnung Kubas in diesem Zusammenhang zeigt wohl die von vielen Medien und der Politik versuchten Abschiebung des von allen getragenen Bildungsprotestes (weltweit) in eine linksradikale Ecke, um sich nicht mit den Nöten und Forderungen von Millionen zu beschäftigen.
Lieber Autor, wenn Dir Protest und das Nicht-Herunterschlucken von Ungerechtigkeit, Ungleichheit, nicht-solidarischen, nicht-demokratischen Entwicklungen gefällt gibt es auch hierfür genug Staaten, die einem solchen Weltbild entsprechen.
Viel Spaß beim Auswandern.