Wiesbaden: Studiengang Angewandte Mathematik - praktische Probleme lösen
14.12.2011 - WIESBADEN
Von Jelena Pecic.
„Jetzt haben wir unseren eigenen mathematischen Nachwuchs“, freut sich Spindler. In der Angewandten Mathematik gibt es keine Module sondern thematisch festgelegte Veranstaltungen. Das Studium beginnt mit allgemeinen Einführungskursen – Analysis, analytische Geometrie und lineare Algebra. „Man erlernt zunächst die Werkzeuge der Mathematik, die man dann vertieft und immer praktischer anwendet“, erzählt Rhawi.
Wissenschafts- und kulturgeschichtliche Fragestellungen
Das wohl wichtigste Werkzeug ist das Programmieren am Computer. Im fünften und sechsten Fachsemester besteht die Möglichkeit für freie Wahlfächer – etwa Vertiefungen von Grundlagenfächern, wie Statistik und Numerische Mathematik, oder Einführungen in physikalische Theorien, zum Beispiel Quantenmechanik oder Thermodynamik, sowie spezielle Anwendungsgebiete wie die Bild- und Signalverarbeitung. Ebenfalls im fünften und sechsten Semester gibt es jeweils eine Veranstaltung mit dem Titel „Lösen von Anwendungsproblemen“.
Hier werden Probleme, die direkt aus der Industrie oder aus einem laufenden Forschungsprojekt kommen, modelliert, bearbeitet gelöst – etwa die Frage, wie sich das Quietschen von Autobremsen beheben lässt. Ein Industriepraktikum ist dabei möglich, aber nicht verpflichtend. „Außerdem – und das ist eine wirkliche Rarität an deutschen Hochschulen – haben wir im vierten und fünften Semester je ein Seminar, in dem es um wissenschafts- und kulturgeschichtliche Fragestellungen geht, die die Mathematik betreffen“, erklärt Spindler.
Familiäre Atmosphäre
Als Rhawi sein Studium begann, waren es 46 Studienanfänger. Diese Zahl steigt, Spindler spricht sogar von übertroffenen Erwartungen. Vergleicht Rhawi die Studiengänge in Wiesbaden und Regensburg, fällt sein Fazit klar aus: In Wiesbaden ist es weniger theoretisch und sehr familiär. „Im Grunde hätte ich in Regensburg die Formel für die Vernichtung der Welt errechnen können, ohne es zu wissen, wir wussten selten, wieso wir manche Sachen berechnen.“
Vorlesungen waren für ihn früher Vorlesungen im wahrsten Sinne des Wortes. Heute hat Rhawi zu jeder Vorlesung mehrere Übungen. Da diese häufig von den Professoren selbst gehalten werden, können sie beliebig oft jedes Problem erklären. Was die Berufsziele der beiden Studenten angeht, sind sie noch unsicher, doch fest steht, dass sie den Master der angewandten Mathematik belegen wollen. Dieser soll im Wintersemester 2013/2014 anlaufen, wenn die erste Bachelorgeneration ihren Abschluss macht.
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