Vitaminschub für Direktverkauf
25.10.2011 - GAU-ALGESHEIM
Von Klaus Rein
OBST Gau-Algesheimer Brüder Hemmes beliefern jetzt auch Supermarkt-Kette mit ihren Produkten
Hemmes - der Name steht seit Jahrzehnten für Direktvermarktung von Obst, Spargel und Edelobstbränden. Schnell war das Stammhaus in der Gartenfeldstraße zu klein, um Waren und Kundschaft aufzunehmen. An der B 41 entstand ein großzügiger Bauernladen samt Halle. Filialen in Büdesheim, Ingelheim und Nierstein sorgten für die regionale Streuung des Direktverkaufs. Doch jetzt setzt - so Thomas Hemmes - das Unternehmen auf ein zweites Standbein. Eine große Supermarkt-Kette wird künftig in Ingelheim und Stadecken Hemmes-Produkte verkaufen.
„Keine Abkehr von der Direktvermarktung“, betont Thomas Hemmes, der den Betrieb zusammen mit Bruder Torsten (40) leitet. „Vielmehr soll durch den Verkauf unserer Waren in den Einkaufsmärkten der Direktverkauf gestützt werden - ein Zusatzgeschäft also.“ Nach der Startphase beobachtet Hemmes erste Erfolge - ein Umsatzzuwachs von rund zehn Prozent.
Der 39 Jahre alte Gau-Algesheimer räumt allerdings ein, dass mehrere schlechte Obsternten die Suche nach neuen Einnahmequellen gefördert hat. „In den letzten fünf Jahren zusammen konnten wir nur soviel wie in zwei guten Jahren ernten“, skizziert Hemmes das Problem. Allerdings reichen die Erntemengen für die Hemmes-Läden und Gehversuche in Einkaufsmärkten aus. Doch die Zeiten, in denen das Obst „tonnenweise“ an Großmärkte wie die Ingelheimer VOG geliefert wurden, seien vorbei. „Bis wir heute 100 Kilo Äpfel im Laden verkaufen - da müssen schon etliche Kunden zu uns kommen.“
Folglich kommt jetzt Hemmes mit dem Verkauf in Einkaufsmärkten zu den Leuten: „Wir hoffen, dort neue Kunden zu gewinnen.“ Vor allem auch junge Menschen. Für diese Zielgruppe baut Hemmes auf Obstwein und Frucht-Secco. Die gesamte Obst-Palette und Marmeladen ergänzen das Angebot. Die Produkte des Hauses werden in den Hemmes-Läden und den Einkaufsmärkten übrigens zum gleichen Preis verkauft. Kein Nachteil also für Stammkunden, die Hemmes-Einrichtungen treu bleiben wollen.
Dass sich der Obstverkauf ab Hof allein nicht mehr rechnet, liegt nicht nur an den Niedrigpreisen der Einkaufsmärkte, die ihr Obstangebot das ganze Jahr durch Bezug aus den unterschiedlichsten Erzeugergebieten sichern können. Wenn sie mit Hemmes ins Geschäft kommen, betonen die Märkte ein für sie neues Qualitätsmerkmal - die Regionalität ihrer Produkte. Genau hier ist auch das zweite Hemmes-Problem angesiedelt. Wie vor 15 Jahren gibt es in Gau-Algesheim nur zwei Profi-Obsthöfe. Geradezu explodiert ist aber die Zahl der Nebenerwerbler, die auf Regalen vor ihrer Haustür Äpfel, Birnen oder Pflaumen beutelweise feilbieten. Hemmes: „Wir bekommen diese Konkurrenz zu spüren, selbst wenn sich dort der eine oder andere bedient, ohne Geld in die Kasse zu werfen.“ Für den Anbieter lohne sich dieser Vertriebsweg dennoch.
Das Geschäft mit den Einkaufsmärkten bedeutet für Hemmes keine Aufstockung des Personals. „Aber ich muss mehr arbeiten“, betont er. Zu verdanken hat er die Zusatzbelastung dem „bürokratischen Wahnsinn“. Auflagen und Anforderungen hätten sich binnen zehn Jahren verdoppelt. Durch die Belieferung der Einkaufsmärkte habe es einen weiteren Bürokratie-Schub gegeben.

