Lernen, wie Wirtschaft tickt
20.09.2011 - BINGEN
Von Jochen Werner
PLANSPIEL BÖRSE Schüler versuchen, ihr virtuelles Kapital zu vermehren / Langfristige Renditen im Blick
Wieder einmal werden die besten Nachwuchsbörsianer gesucht. Mittlerweile schon zum 28. Mal. 650 Teilnehmer in 120 Gruppen erwartet die Sparkasse insgesamt in ihrem Geschäftsgebiet. Allein 27 Teams kommen von der Binger Berufsbildenden Schule. Angemeldet haben sich außerdem Gruppen der Rochus-Realschule plus und des Stefan-George-Gymnasiums. Rund 40 Schüler kamen zur Auftaktveranstaltung der Sparkasse Rhein-Nahe zum Planspiel Börse in Bingen.
Die Griechenland-Krise ist tägliches Nachrichten-Thema, dazu die Frage, was mit der Gemeinschaftswährung, dem Euro, was mit Portugal, Spanien, Irland passiert. Außerdem: Was geschieht in den USA? Wird China zur größten Weltwirtschaftsmacht? Jürgen Berg begrüßte die Jungs und Mädchen in Bingen. Der Sparkassen-Vertriebsleiter machte den Schülern klar, dass sie im Spiel lernen können. Lernen, die Bedeutung von Nachrichten in wirtschaftlicher Hinsicht auszuloten. Lernen, realwirtschaftliche Hintergründe auf ihre täglichen Auswirkungen hin zu interpretieren. Lernen, wie die Wirtschaft funktioniert und wie wir Entwicklungen direkt im Geldbeutel spüren.
Vom 4. Oktober bis zum 14. Dezember werden die angemeldeten Gruppen versuchen, ihr virtuelles Startkapital zu mehren. „Sie werden Erfahrungen gewinnen und Wirtschaftskompetenzen erlangen“, war Berg schon vor Beginn des Börsenspiels vom Lerneffekt überzeugt. Das Besondere: Vor zwei Jahren wurde im Spiel der Nachhaltigkeitsfaktor eingeführt. Denkanstöße dazu bekommen alle diesjährigen Teilnehmer über das Jahresthema „Stadt“. „Anstelle kurzfristigen Gewinnstrebens soll der langfristige Einsatz von Geldern stehen“, erklärte Berg. Langfristige Rendite statt Zocken heißt die Devise, Sicherheit im Umgang mit Geld geht vor. Auch aus diesem Grund hat die Deutsche Unesco-Kommission für 2011 und 2012 das Projekt für nachhaltige Bildung ausgezeichnet.
SK-Jugendberaterin Maren Mörsfelde stellte den Schülern auf verständliche Weise Details vor, etwa die verschiedenen Arten von Wertpapieren oder das Geschehen auf dem Börsenparkett. Die Ausführungen bewiesen das, was Berg bereits vorher ankündigte: Schule ist schon lange nicht mehr einfaches Berieseln via Frontalunterricht.
Was machen die Schüler? Sie erarbeiten eine Strategie für ihr Depot, entscheiden dann zehn Wochen lang gemeinsam über Kauf und Verkauf von Wertpapieren. Die Hälfte des fiktiven Geldes muss in Papiere des Nachhaltigkeitsindex investiert werden, in denen es um ökologische und soziale Aspekte geht. Am 14. Dezember punkt 11 Uhr ist es dann so weit: Es wird abgerechnet. Und die Sieger werden gekürt. Hauptpreis: Die besten sechs Teams bundesweit fahren nächstes Jahr drei Tage lang nach Berlin.

