Eisen, Hölzer und Torf-Aroma
20.09.2011 - ST JOHANN
Von Christine Tscherner
GOLFCLUB RHEINHESSEN Whisky-Destillerie Laphroaig sponsert Turnier auf dem Wißberg
Die Vermarktungsidee scheint schlau: Golf trifft Whisky. Und Triple Bogey auf Triple wood. Die schottische Destillerie Laphroaig sponserte ein Herrengolf-Turnier auf dem Wißberg. Die anschließende Whisky-Verkostung gehörte zum Programm. Was Eisen, Hölzer und schottisches Moor gemeinsam haben? Die AZ hörte sich um.
Bernsteinfarben schwappt die Flüssigkeit im Glas. „Triple Wood“ steht für in drei verschiedenen Fasstypen gelagerten Whisky. Ein Mann im Schottenrock erklärt geduldig den Einfluss der Holzfässer auf das Aroma. John Campbell ist Destillerie-Manager einer der torfigsten Whiskysorten der Welt. Eigens für die Golfer am Wißberg reiste der Schotte aufs Festland.
Die besten Golfer aus 50 Clubs bundesweit lässt Campbell schnüffeln und schmecken. „Klar, mit dem Whisky-Tasting wird so ein Finale aufgewertet.“ Teilnehmer Dr. Peter Bartsch probiert im Sortiment. „Die Marke Laphroaig kannte ich vorher nicht.“
So wie der Berliner sind 67 Spieler übers Wochenende nach St. Johann gereist. Eingeladen hat eine Frankfurter Vertriebsgesellschaft, die auf die Vermarktung von hochwertigen Spirituosen spezialisiert ist.
Um den Wettstreit am 18-Loch-Platz anzufeuern, lockte eine Reise: eine fünftägige Golf-Tour ins schottische St. Andrews und der Besuch der Insel-Destillerie von Laphroaig.
Sherry-süß und rauchig-torfig - die Kombination ist bei Whisky-Liebhabern geschätzt. Campbell zieht Parallelen zum feinen Rasensport. Lange Tradition, hohe Wertigkeit und Nähe zur Natur. Damit die rheinhessische Kulisse wenigstens ein bisschen schottisch anmutet, begleitet das Tasting ein schottisches Menü und passende Live-Musik.
Zehn Jahre alt sind die jüngsten Jahrgänge in den Flaschen. Für die Edlen mit mindestens 25 Jahren muss der Genießer über 230 Euro berappen. Die Kollektion ist unter dem Apfelbaum im Innenhof aufgebaut. Golferbags parken an der Bruchsteinmauer. Und die Männer genießen sichtlich den Turnierabschluss.
„Wir sprechen die anspruchsvollen Besserverdienenden mit einem hochwertigen Produkt an.“ Katrin Schwamborn macht als Marketing-Managerin keinen Hehl aus der Kampagne.
Die Zielgruppe möglichst passgenau umwerben, das ist ihr Job. „Männliche Golfer sind für uns ideal.“ Single Malt Whisky gilt als Herrengetränk - und wer seine Freizeit auf feinen Rasenplätzen verbringt, der kann kein Hungerleider sein.
„Unsere schöne und zentrale Lage war ein wichtiger Faktor für das Finalturnier“, weiß Dirk Eckgold. Der Geschäftsführer des Golfclubs Rheinhessen erntet Schulterklopfen seiner Kollegen von Norderney bis Ruhrpolding. „Eine wirklich schöne Anlage.“
Und ganz nebenbei präsentierten die 67 Spieler auf dem Bergplateau auch richtig guten Golf-Sport. „Drei über Par ist für so einen Cup bestens“, ordnet Eckgold ein. Wer drei Schläge über dem Durchschnittswert der Besten auf dem Platz bis zum Loch benötigt, der spielt einen „Triple Bogey“. Auf einem fremden Platz gilt das als stolze Leistung.
Der Golfclub Rheinhessen sorgt mit spektakulären Turnieren immer wieder für Schlagzeilen. Golf spielen für den Erhalt des Mainzer Doms hat mittlerweile Tradition. Startgebühren landen in Hilfskassen für karitative Zwecke. Der Verein erntet viele Sympathien für Benefiz-Golf verknüpft mit Spendenschecks.
Kommentare am Rande dürften Touristiker freuen: Das Turnier mitten in der Lese weckte Lust auf mehr Wein-Entdeckungen. „Wir kommen nächstes Jahr um die gleiche Zeit wieder nach Rheinhessen - dann zur Wein-Verkostung“, verspricht die aufgekratzte Herrenrunde.

