Von Bernhard Brühl
Schüler in Wöllstein sensibilisiert
SPRENDLINGEN Rechtsradikale sind nicht unbedingt an einer Glatze oder Springerstiefeln zu erkennen. Das lernten die jugendlichen Besucher bei einer Veranstaltung des evangelischen Dekanats Wöllstein im Gemeindehaus der Michaelisgemeinde in Sprendlingen.
"Die `neuen Rechtsradikalen´ haben ihre Werbemethoden verfeinert und lassen den wahren extremistischen Hintergrund zunächst nur erahnen", sagte Andreas Müller vom Verfassungsschutz Rheinland-Pfalz. "Sie nutzen zum Beispiel kostenlos auf Schulhöfen verteilte Musik CDs als Rekrutierungsmittel." Gerade Musik sei eine Art "Einstiegsdroge" geworden. "Weitere Werbemittel sind Angebote wie Hausaufgabenhilfe, Beratung bei persönlichen Problemen, Hilfe bei der Lehrstellensuche, aber auch Grillfeste und Besuche rechtsextremistischer Konzertveranstaltungen." Die Rechtsextremisten versuchten mit ihrem Werben zunächst das Vertrauen argloser junger Menschen zu erschleichen. Haben Sie es gewonnen, wollten sie ihnen ihre menschenverachtende Weltanschauung vermitteln. In seinem Referat machte Andreas Müller klar, dass sich die rechtsextremistische Weltanschauung durch viele Merkmale erklärt. Grundgedanke sei die ungleichwertige Abstammung der Menschen. Demokratie und Rechtsstaatlichkeit würden beseitigt. An ihre Stelle träte eine gleichartige "Volksgemeinschaft" in der Fremde keinen Platz hätten. Zu Fremden zählten dabei nicht nur Ausländer sondern auch Obdachlose, Behinderte und politische Gegner. Was tun, wenn Jugendliche in den Einflussbereich rechter Gruppen geraten? Herbert Heitland informierte hierzu die Besucher über die Hilfsangebote der "Elterninitiative gegen Rechts". Sie bietet Eltern und Angehörigen von Jugendlichen Beratung und Information an. Heitland zeigte auf, dass gerade die Eltern der Schlüssel zu einem Ausstieg aus der rechten Szene sein können. Aber auch den Jugendlichen selbst wird Hilfe angeboten. Mit dem Programm (R)AUSwege will das Land Rheinland-Pfalz jungen Menschen, die in den Einflussbereich extremistischer Gruppen gelangt sind, einen Ausstieg ermöglichen. Anhand eines kurzen Films "Damit die Vergangenheit nicht zur Zukunft wird" zeigte Herbert Heitland Möglichkeiten auf, wie sich Jugendliche informieren können. Informieren konnten sich die Besucher auch über Symbole der rechten Szene.

