Zwischen Renaissance und Neuzeit
04.05.2010 - SPRENDLINGEN
KAMMERKONZERT Künstler paaren in der alten Synagoge Sprendlingen Musik mit Literatur
(red). Ein überaus gelungenes Kammerkonzert fand jetzt in der bis auf den letzten Platz besetzten Synagoge statt. Zwei Sopransängerinnen, Daniela Herber und Juliane Graß, deren Stimmen sich ideal ergänzten, die Flötistin Norma Lukoschek und Musikdirektor Heinz-Gunther Ackva am Klavier sangen und spielten sich in die Herzen der Zuhörer.
In perfekter Weise paarte sich Musik mit Literatur, besinnlich-humorig und passend zur jeweiligen Epoche vorgetragen von Anna-Luise Heinrich.Zugegeben, es war ein erstes Experiment der kleinen Künstlergruppe, auf keinerlei Erfahrung zurückgreifend: Dreihundert Jahre zwischen der Renaissance und der Neuzeit wurden mit Werken bekannter Komponisten und Schriftsteller in einem weiten Bogen überspannt. Altenglische Gesänge und lyrische DuetteDas ausgehende 17. Jahrhundert prägten zu Beginn das Programm.
Musikalisch dominierend wurde der britische Komponist Henry Purcell mit Soli und Duetten gewürdigt, zum Teil aus seinen Halbopern „Indian Queen“ und „King Arthur“, altenglisch gesungen. Der Komponist Emanuele d’Astorga fand ebenso seinen Platz mit dem lyrischen Duett „Vo cercando“ wie Domenico Scarlatti mit seiner „Katzenfuge“, einem von Heinz-Gunther Ackva vorgetragenen Klaviersolo.
Norma Lukoschek brilliert mit verschiedenen Flöten
Eine brillante Leistung gelang Norma Lukoschek mit der Interpretation von Georg Philipp Telemanns „Phantasie“ Nr. 1 und Nr. 12 auf Altflöte und Voiceflute und mit einer selbst arrangierten „Irischen Phantasie“ auf einer Traversflöte. Berühmte Namen wie J.S. Bach und W.A. Mozart fehlten ebenso wenig wie, überleitend ins 19. Jahrhundert, die Komponistin Fanny Mendelssohn „aus dem Lobgesang“ und Robert Schumann mit dem „Frühingslied“ und „Die Nachtigall“.
Das 20. Jahrhundert war repräsentiert durch Leonard Cohen: Daniela Herber, stimmlich glänzend aufgelegt, interpretierte sein außergewöhnliches „Hallelujah“. Von Leona Lewis erklang „A moment like this“, und den krönenden Abschluss bildete der Brite John Rutter mit „Home is a special kind of feeling“. Gedenken an Juden in SprendlingenHierin vereinigten sich alle Ausführenden zu einem grandiosen Finale, unterstützt durch den Überraschungsgast Hans-Jürgen Hübner als Bass-Sänger und begleitet von Norma Lukoschek auf einer Großbassflöte.
Durch das Programm und die Zeitgeschichte führte Dorothee Gutermilch, indem sie auch der jüdischen Bevölkerung Sprendlingens gedachte, deren geistige Heimat die schlichte und gerade deshalb sehr ansprechend restaurierte Synagoge in Sprendlingen darstellt. Das Publikum dankte den Künstlern mit anhaltendem herzlichem Applaus und erbat eine Zugabe.

