„Gelebte Integration“
27.01.2012 - GENSINGEN
FLUGBLATT Gensinger Ortschef Brendel tritt diskriminierenden Aussagen entgegen
(wbl/sp). Im Nachgang zur Verteilung eines Flugblattes mit diskriminierenden Aussagen im Gensinger Gemeinderat (die AZ berichtete) meldet sich Ortsbürgermeister Armin Brendel (FWG) noch einmal ergänzend zu Wort: Das Flugblatt mit den diskriminierenden Aussagen sei mitnichten im Rahmen des nicht-öffentlichen Teils der Sitzung verteilt worden, sondern eindeutig nach Ende der Sitzung. Insofern könnten sich weder der Flugblatt-Verteiler Hans-Wilhelm Laubenstein (FDP), noch der FDP-Fraktionsvorsitzende Georg Rumpf darauf berufen, dass der Inhalt des Flugblattes unter dem besonderen Schutz einer nicht-öffentlichen Sitzung gestanden habe.
Miteinander der Kulturen seit Jahrzehnten
Den Aussagen des Flugblattes hält Brendel jedoch entgegen, dass es gerade in Gensingen absolut keinen Zweifel geben könne und dürfe, was das Miteinander von Kulturen angehe. „Seit fast 50 Jahren leben Türken in Gensingen, es gab noch nie gravierende Probleme. Meine Generation ist mit den türkischen Jungs und Mädels aufgewachsen. Mittlerweile lebt die dritte oder sogar vierte Generation im Ort - das sind Gensinger“, betont der Bürgermeister.
Viele türkisch-stämmige Familien hätten ihren Lebensmittelpunkt in Gensingen, hier Häuser gebaut und seien im Ort zu Hause. „Das Miteinander ist auch durch die Tatsache begründet, dass in einer Vielzahl Gensinger Vereine auch viele türkische Mitbürger aktiv sind“, hält Brendel der Flugblatt-Aussage entgegen, Multikulti funktioniere nicht. In der kommunalen Kindertagesstätte, in der Kinder mit 18 verschiedenen Nationalitäten betreut würden, sei auch eine türkische Erzieherin beschäftigt - „von Problemen wegen der unterschiedlichen Herkunft keine Spur“, wie Brendel herausstellt. Der Vorsitzende des heimischen Karnevalvereins, zudem ein guter Freund Brendels, sei Türke. Und es gebe in Gensingen zwei sehr gut frequentierte Gastwirtschaften unter türkischer Leitung, in denen beim Stammtisch Deutsche und Türken einträchtig beisammen säßen.
„Integration ist für uns in Gensingen kein Fremdwort und auch nichts Neues, sondern wird seit Jahrzehnten gelebt“, steht für Brendel fest. „Und das alles zusammengefasst ist ein eindeutiger Beleg dafür, dass wir eben - vielleicht anders als in anderen Gemeinden - keinerlei Schwierigkeiten in dieser Richtung haben.“
Bisher keine Entschuldigung
Auch Ratsmitglied Roland Rauth (FWG) bestätigt: „Das Papier wurde verteilt, als die Ratssitzung und somit auch der nicht-öffentliche Teil vorbei war.“ Dass dies alle Ratsmitglieder unkommentiert hingenommen hätten - „auch ich habe nichts gesagt“ - macht Rauth im Nachgang dann doch sehr betroffen. Alle hätten zu der Sache geschwiegen. Bisher sei auch kein Wort der Entschuldigung gefallen. „Zumindest im Bauausschuss hätte der Ratskollege die Chance nutzen können“, meint Rauth, der wie Brendel das harmonische Zusammenleben von Türken und Deutschen in Gensingen unterstreicht.


Kommentar von Nicky
Vielleicht sollten Sie den Bericht noch einmal genau durchlesen, die Ratssitzung war bereits beendet als das Flugblatt verteilt worden ist.
Ich gebe Ihnen Recht, es hätte viel früher gehandelt werden müssen.
Es ist traurig das nach nun über 14Tagen! keine Stellungnahme der FDP erfolgte.