Zicken-Schwestern und Schlümpfe
07.02.2012 - WEILER
Von Adam J. Schmitt
STIMMUNG Weilerer Carneval-Verein weiß auf allen Feldern der Sitzungsfastnacht zu überzeugen
Die jetzt 11 Jahre bestehende Wachkompanie des Weilerer Carneval-Vereins (WCV) gab nach einem flotten Aufmarsch den Startschuss für eine rundum gelungene Sitzung, den Wolfgang Meinel mit der Gruppe Leopard aufnahm: „Jetzt geht sie los, die große Schau!“
Tradition beim WCV hat der politische Vortrag: Mit dem Eurorettungsschirm kam „de Schorsch“ ( Hans-Georg Schuster ), forderte die Frauenquote ein, nicht aber die Quotenfrau, auch die aktuellen bundespolitischen Themen fehlten in diesem geschliffenen Vortrag nicht. Joshua Wies, ein junger Nachwuchssänger begeisterte mit seinen 13 Jahren die Narrenschar, ob bei den familiären Themen oder beim „Starlight-Express“, den er auf die Bretter zauberte, war er ein versierter Debütant. Die vier „Zicken-Sisters“ (Klara und Theresa Bootz, Sophie und Anna-Lena Robra ) belegten eindrucksvoll, wie närrisch und „brandgefährlich sie im Rudel“ sein können, da waren sprachliche und zungenbrecherische Feinheiten in Fülle zu hören, eine glanzvolle Darbietung. Eine ganz tolle Nummer: die Tanz- und Akrobatikgruppe Tornados in beeindruckenden Indianerkostümen wirbelte beifallumrauscht über die Bühne (Leitung Christina Cesaro, Raffaela Biedenbender und Anja Schlarp).
Stimmungskanone auch am Klavier
Für jeden Anlass buchbar pries die Jongleur-Azubine Kathrina Bauer ihre künstlerischen Talente, sie schlug gekonnt im Handbuch der Artisten die richtigen Seiten mit praktischen Beispielen auf. Dass er nicht nur das rednerische Handwerk eines Vollblutkarnevalisten versteht, bewies Andreas Stipp als Stimmungskanone auch am Klavier. Ein gängiges Frühschoppenlied und natürlich das Weilerer Lied begleitete er am Piano durch viele musikalische Epochen, von Bach über Mozart bis zum Swing der Neuzeit. Das war virtuos dargeboten und fand tolle Aufnahme. Die „Germania“, auf den Leib von Joachim Vogt zugeschnitten, im Gerüst auf die Bühne gestellt, als Windradtorso verbaut und dann leibhaftig als renovierte „Grande Dame“ auf dem Niederwald, die so ihre Blicke ganz närrisch schweifen lässt, nach Weiler und in die Nachbarschaft; ein Klasseleistung, in der er versprach, nicht als Alemania zu erscheinen.
Eine beeindruckende Schau zeigten erneut die WCV-Hofsänger. Sie waren von ihrem neuen musikalischen Leiter Tarek Porr bestens aufgestellt für ihre „Flughafen-Schau“. Mitreißende Melodien, eine süffisante Handlung, tolle Gags und musikalisch eine feine Leistung, die vom „Airport Hahn“ und dem Flugplatz „Lalo“ (Langenlonsheim) handelte.
Wenn es um Kokolores geht, dann ist Elmar Bootz eine allererste Adresse der Weilerer Fassenacht. Als Musketier D’Artagnan wollte er zum Maskenball, doch seine Rokoko-Kokotte kam nicht „zu potte“. Da „quengelte“ der Degen, da waren die Haushühner zu versorgen und die Fußnägel noch zu schneiden; er wusste die Wartezeiten närrisch und äußerst ideenreich aufzufangen. Eine rednerische Glanzleistung, die er mit einem musikalischen „Sahnehäubchen“ versah. Da stand der Saal vor Begeisterung Kopf.
Finale nach fast sechs Stunden
Menna Mulugeta hatte sich die Fastnachtslieder zum Thema gemacht. Sie versteht es mit Talent und Können, Beherrschung der Weilerer Mundart und einer geschickten Melodienauswahl das Publikum zu begeistern; die Band unter Tarek Porr bot dabei eine sichere und verlässliche Begleitung. Die Prinzengarde mit einem anspruchsvollen Gardemarsch (Trainerin Sandra Franzmann und Natalie Scheid) leitete dann nach fast sechs Stunden über zum Finale. Das närrische Publikum war aus dem Häuschen und verabschiedete Sitzungspräsident Ewald Lenhart und seine närrischen Streiter mit stehenden Ovationen.

