Einer mit dem Finderblick
04.08.2011 - TRECHTINGSHAUSEN
Von Jochen Werner
LEIDENSCHAFT Winfried Mazzolini sammelt seit 40 Jahren Edelsteine und Mineralien
Seit seiner Jugend haben es ihm Mineralien angetan. Seit über 40 Jahren sammelt er sie. „Vorwiegend Heimatgestein“, sagt Winfried Mazzolini, den alle nur als „Vin“ kennen. Vin als Abkürzung von Vinzenz, dem Namen seines Vaters. Fachbücher stapeln sich. In Vitrinen hat er seine Fundstücke verstaut. In seiner Wohnung ist das Hobby des 67-Jährigen allgegenwärtig.
Er hat ein Auge für Steine. „Hier findest du grundsätzlich überall Bergkristalle“, erklärt Vin, wie er als Kind mit seiner Sammlung begann: Rund um seine Heimatgemeinde ließen sich seine ersten kleinen Schätze finden, wie etwa Rauchquarz. Dazu die „netten Sachen“ aus dem Steinbruch: Grünquarz, Dendriten, außerdem mit Sand gefüllte Kugeln, die einen Mantel von etwa einem Zentimeter Dicke haben und hin und wieder Kristallstrukturen aufweisen.
Richtig los ging’s dann aber erst im Steinbruch zwischen Fischbach und Niederwörresbach (Kreis Birkenfeld) Anfang der 1970er Jahre. Hier erfuhr er von der großen weiten Gesteinswelt. Nahm diese Eindrücke mit zu weiteren Fundstellen bis hin in die fränkische Schweiz. Und immer wieder in die Gegend rund um Idar-Oberstein. Da kennt er sich aus. Weiß, wann man am besten sucht und wo man was findet.
Die Voraussetzungen für einen Sammler. Literatur ist unerlässlich, zumal sich auch viele Gesteinsarten ähneln und erst einmal bestimmt werden wollen. Die Leidenschaft sei ihm in die Wiege gelegt worden, erzählt Mazzolini: Der Opa war Terrazzo-Leger, kam aus Italien an den Rhein. „Vater, Bruder und ich waren Maurer, wir sind also alle ein bisschen vorbelastet.“ Durchgeschlagen hat die Liebe zum Mineral so richtig aber nur bei ihm. Sichtbares Zeichen: Hinter seinem Bett befindet sich die größte Nachttischlampe der Region, genau wie der Wohnzimmertisch selbst gebaut, aus verschiedenfarbigen Achatscheiben. Und dann ist da noch das garantiert einmalige, unverkäufliche, eingemauerte „Bild“ aus Bergkristallen an der Wand der Kellertreppe. Der Wert der heimischen Sammlung? „Der ist für mich völlig irrelevant, interessiert den Sammler nicht.“ Überhaupt seien die ein Völkchen für sich mit ihrer Leidenschaft, die quer durch alle Berufs- und Altergruppen geht.
„Man kann einfach nie genug bekommen...“
Langeweile? Fehlanzeige! „Man kann einfach nie genug bekommen, weil jedes Stück ein Unikat ist.“ Märkte und Messen böten immer wieder Neuerungen, als Fundstücke, im Schliff, in den Farben. Sein Wissen gibt er gerne weiter. Er war schon mit 40 Kindern im Rahmen des Trechtingshäuser Ferienprogramms auf Steinsuche. Fragen nach der chemischen Zusammensetzung, der Härte und möglichen Fundstellen beantwortet er sofort, selten muss er nachschlagen. Nur eines kann auch der „steinreiche“ Experte nicht beantworten: Die Frage nach der Heilkraft der Steine. Soviel sei sicher: „Steine sind keine tote Masse: Die einen sind magnetisch, andere fluoreszierend, wieder andere strahlen. Gewachsen sind sie alle. Und Power ist in jedem Mineral drin.“ Sein Tipp für Interessierte: Auf einen Gesteins-Flohmarkt gehen und dort für kleines Geld ein schönes Stück mit Namen und Fundort kaufen.
Und wer weiß, vielleicht ist das dann der Anfang einer besonderen Leidenschaft?

