Für 1000 Haushalte
21.02.2012 - MÜNSTER-SARMSHEIM
Von Christine Tscherner
SOLARSTROM Baustart der Anlage in Münster-Sarmsheim für Sommer geplant
Christof Zosel berechnet den „Dorsheimer Reflexionsstrahl“ zur Sommersonnenwende. Nein, der Gemeinderat von Münster-Sarmsheim plant kein Esoterik-Treffen auf den ehemaligen Gaul-Gruben und keine Landebahn für Raumschiffe. Es ist der Photovoltaik-Plan der Gemeinde, der Fahrt aufnimmt. Und die Uhr tickt, denn die Förderung aus Bundestöpfen läuft bald aus. Zosel ist Sachverständiger. Sein Job ist die Planung der Freiland-Photovoltaik „Auf der Lina“. Auf verfüllten Gaul-Gruben über Münster-Sarmsheim soll das Millionenprojekt entstehen. Je früher, desto lieber. Die Energie vom Berg verheißt Gewerbesteuereinnahmen.
Das Terrain liegt auf einem sonnigen Plateau. Sorgen der Nachbarn aus Dorsheim: Verschandelte Aussicht und Blendlicht. „Wir bauen die Module nur zwei bis drei Meter hoch. Das wird keine haushohe Anlage wie in Sprendlingen“, zieht Zosel einen Vergleich.
Der Mann aus Weinsheim tritt nicht nur als Sachverständiger auf, sondern auch als künftiger Betreiber. „Kritischster Tag für Dorsheim ist der 21. Juni, der Sonnenaufgang zur Sommersonnenwende.“ Er veranschaulicht mit einer Luftaufnahme über dem Trollbachtal seine Berechnung. „Der flachste Strahl geht 150 Meter an Dorsheim vorbei.“ Bei Sonnenuntergang gehe die Blendung „ein paar Sekunden lang Richtung Alzey“ ins Nahetal. Ratsmitglieder und Zuschauer erhalten Nachhilfe in Physik. Einfallswinkel, Reflexionsachsen und Sonnenstand-Berechnungen. Fazit: Blendwirkung für Dorsheim sei ausgeschlossen.
Über Monate zieht sich das Verfahren zur Photovoltaik bereits. Die Genehmigungsbehörde gab 2011 freie Bahn. Solarstrom für 1000 Haushalte soll die Anlage auf der Bergkuppe produzieren. Für die Zukunft der verfüllten Gruben haben Münster-Sarmsheimer Gremien das Planungsrecht. Gemeindeflächen und die Gruben der Sprendlinger Firma Gaul bieten zusammen Platz für Energiesammler auf der Fläche von zwölf Fußballfeldern. Firma und Ortsgemeinde teilen sich die Pachteinnahmen. Mit 300 000 Euro in den 20 Pachtjahren rechnet die Gemeinde. „Außerdem sind Gewerbesteuereinnahmen für die Gemeinde eine langfristige Einnahmequelle“, so Mehlig. Windstandorte kann die Ortsgemeinde nämlich nicht bieten. Auf rund sechs Millionen Euro Investitionskosten ist die Anlage kalkuliert. „Betreiber wird eine GmbH sein mit Sitz in Pfaffen-Schwabenheim“, erläutert Zosel. Baustart ist für Sommer 2012 anvisiert.
Die Prozedur des Bebauungsplans mit Offenlagen und Beteiligungsverfahren braucht Zeit. Die Blendwirkung für Nachbarn ausschließen, das ist ein Puzzlestein von vielen. Zaunhöhen, Bepflanzung rundherum, Baustraßen und clevere Alarmanlagen, die Schneidgeräusche registrieren - Details summieren sich. Gut ein Drittel der Photovoltaikflächen soll aber noch vor Jahresende ans Netz gehen. „Der Rest folgt ab dem Jahr 2015“, informiert Mehlig. Ende 2010 wurden die Weichen für die Photovoltaik hoch über Münster-Sarmsheim gestellt. Der Gemeinderat gibt grünes Licht. Das Bebauungsplanverfahren kann anlaufen. Rahmenvertrag, Durchführungsvertrag, Erläuterungsbericht und Rahmenvertrag - viele Paragrafen sind nötig.
Zweimal müssen die Pläne ausliegen, Behörden und Nachbarn Zeit für Anregungen haben. Läuft alles nach Plan, kann der Gemeinderat noch im späten Frühjahr dem Bebauungsplan seinen Segen geben und im Sommer der Bau nach Freigabe durch die Kreisverwaltung starten. „Wir drücken deshalb so aufs Tempo, weil vermutlich ab dem Jahr 2013 die Haushaltsmittel des Bundes für Freilandanlagen erheblich gekürzt oder eingestellt werden“, erklärt Ortsbürgermeister Herbert Mehlig. Die Zeitachse der Betreiber aus Weinsheim: „Den Bauantrag wollen wir bis spätestens Sommer einreichen“, betont Christof Zosel.

