Ausrufezeichen abgebaut
25.05.2010 - BACHARACH
WERNERKAPELLE Fensterabbau und Ausbaufest beenden Kunstprojekt „Toleranz vor Augen“
„Ein Ausrufezeichen im Mittelrheintal wird heute abgebaut.“ Das sagte der 1. Vorsitzende des Bauvereins Wernerkapelle, Peter Keber, in seiner Begrüßungsrede beim Ausbaufest. „Toleranz vor Augen“, ein erfolgreiches und hoch gelobtes Kunstprojekt, fand mit diesem Fest unter dem Titel „Wernerkapelle - Das Fenster“ seinen vorläufigen Abschluss.
Der Wiesbadener Künstler Karl-Martin Hartmann installierte auf den Tag genau vor drei Jahren in dieser Ruine insgesamt 52 weithin leuchtende rote Glaselemente. Auf 16 der Scheiben ist der Anfang der ersten Kapitel aus Heinrich Heines „Der Rabbi von Bacharach“ aufgedruckt. Die Wernerkapelle war Ausgangspunkt gewalttätiger Ausschreitungen gegen jüdische Mitbürger und wurde zu einem Ziel christlicher Wallfahrten.
„Es war ein Glück für mich, vor drei Jahren dieses Zeichen der Toleranz hier an diesem belasteten Ort setzen zu dürfen“, sagte der Künstler Karl-Martin Hartmann und ergänzte: „Wunderbar wäre es, wenn von der Stadt Bacharach, die die Zeichensetzung so großartig unterstützte, dieser Toleranzgedanke in die Welt hinausgetragen würde.“ Dank der Unterstützung des Bauvereins Wernerkapelle und der Schirmherrschaft des rheinland-pfälzischen Innenministers Karl Peter Bruch sowie vieler Spender und Sponsoren waren die Installation und die Vortragsreihe, die sich mit dem Thema der Toleranz und des toleranten Umgangs der Religionen und Kulturen befassten, machbar.
Im Mittelpunkt der Veranstaltung stand die Vorstellung des Buches „Toleranz vor Augen“ des Autos Dr. Frieder Schwitzgebel. In diesem Werk wurden sowohl die Glasinstallation und alle Vorträge der Veranstaltungsreihe „Das Forum 2008 - 2009“ mit außergewöhnlichen Bildern von Bacharach und des Mittelrheintales fest gehalten. Das erste Exemplar wurde dem 97-jährigen Zeitzeugen, Professor Leo Trepp, der als einer der 14 Referenten vor einem Jahr einen unvergessenen Vortrag zu den Toleranzgedanken von Georg Washington hielt, überreicht. „Mit großer Dankbarkeit und der allergrößten Hoffnung, dass die Wernerkapelle ein Symbol der Liebe, Toleranz und Gleichberechtigung wird, nehme ich dieses Buch entgegen“, sagte der Rabbi Leo Trepp. Für den Bürgermeister der Verbandsgemeinde Franz-Josef Riediger, war das Fenster ein weithin sichtbares Mahnmal, das zur Völkerverständigung beitrug. Da das Gesamtprojekt noch eine Finanzlücke hinterlässt, konnte sich der 1. Vorsitzende des Bauvereins über einen Scheck von 500 Euro aus der Kulturstiftung Rhein-Nahe, den Bürgermeister Riediger überreichte, freuen. Auch der Bürgermeister der Stadt Bacharach Dieter Kochskämper betonte in seiner Dankesrede: „Heute schließt sich ein Kreis, der neues Licht in die Zukunft und in die Herzen der Menschen trägt.“ Diese Zuversicht und die Hoffnung zur Versöhnung in allen Schichten der Gesellschaft und aller Religionen wurde auch in den Predigten von Pfarrer Michael Knipp und Timm Harder im ökumenischen Gottesdienst deutlich. Unter der musikalischen Begleitung der Musiker der Frankfurter Hochschule wurden die Scheiben abgehängt und den Sponsoren ausgehändigt.

