Von Conny Haas
Benjamin Reiter aus Bacharach schafft Sprung an die Musikhochschule Frankfurt
BACHARACH. Talent und ganz viel Fleiß zeichnen den 21-jährigen Bacharacher Benjamin Reiter aus: Nach nur zweijähriger Ausbildung an der Musikschule Bingen hat er es als einer unter wenigen geschafft: Er darf an der Musikhochschule Frankfurt Schulmusik studieren.
Besonders stolz auf diese Leistung ist seine Klavierlehrerin Tamara Schmedro, die den jungen Künstler bereits seit acht Jahren kennt und unterrichtet. "Anfangs habe ich Klavier gespielt, weil meine Eltern es wollten - dementsprechend wenig kam dabei raus", gibt Benjamin lächelnd zu. Die Liebe zur Musik liegt bei der Familie Reiter im Blut. Auch Vater und Mutter spielen Instrumente oder singen im Chor - das Hobby zum Beruf gemacht hat von ihnen allerdings niemand.
Leute heute
"Ich bin mit Musik groß geworden. An Familienfesten und vor allem Weihnachten wird musiziert und jeder zeigt, was er gelernt hat", erzählt Benjamin. Und dennoch hätte er sich vor ein paar Jahren nicht träumen lassen, dass er einmal Musik studiert, schon gar nicht Klavier und als zweites Instrument klassische Gitarre. Als zweites Hauptfach belegt er Deutsch, weil er sich auch für Literatur interessiert.
"In meiner Freizeit greife ich gerne zur E-Gitarre, gebe Unterricht, spiele seit vielen Jahren auch in einer Band und komponiere eigene Songs. Mit Klassik hatte ich bis vor ein paar Jahren aber absolut nichts am Hut", erzählt Benjamin. Der sportlich schlanke junge Mann - er war auch einige Jahre Turniertänzer - lacht sympathisch, wenn er von seinen ersten musikalischen Versuchen erzählt. "Mit sieben Jahren habe ich mir das Keyboardspielen selbst beigebracht, später dann Unterricht bekommen", erinnert sich der heute 21-Jährige. Als sein Keyboardlehrer keinen Unterricht mehr abhielt, schickten Benjamins Eltern den Jungen zu Tamara Schmedro, einer Freundin der Familie und Klavierlehrerin. "Dann nahm das Schicksal seinen Lauf", erzählt Benjamin lachend. Die ersten Monate "quälte" er sich zum Unterricht, ans Klavier setzte er sich zu Hause so gut wie nie. "Ich habe lieber E-Gitarre gespielt, am liebsten Heavy Metal."
Doch wie kam es nun zum Sinneswandel? "Als ich das erste Mal eine Nocturne von Frédéric Chopin spielte, hat es bei mir irgendwie `klick` gemacht", erinnert sich Benjamin. Die Musik habe ihn berührt, Chopins Kompositionen beinhalten Schönheit, Gefühl und Emotionen. "Chopin komponiert mehr nach Gefühl als Bach, dessen Werke oft einem mathematischen Kompositionsprozess zu unterliegen scheinen." Von dem Moment an hat sich Benjamin freiwillig ans Klavier gesetzt, fast täglich geübt.
"Meine Familie konnte es kaum glauben", sagt Benjamin Reiter und fügt fröhlich an: "Progressive Melodic Metal gibt es bei uns aber trotzdem noch." Diese Kombination ist es auch, die Benjamin Reiter zu etwas Besonderem werden lässt. Welcher Gymnasiast wünscht sich nicht einen rockenden Musiklehrer, der hervorragend Klavier spielt?
Relativ spät, erst mit 17 oder 18 Jahren hat er festgestellt: "Das, was ich am besten kann, ist Musik - und deshalb wollte ich Musik studieren, aber nicht Schulmusik." Musik studieren bedeutete für Benjamin Reiter damals nämlich nicht Klavier, sondern E-Gitarre. "Allerdings musste ich feststellen, dass hier ein Studium nur mit Schwerpunkt Jazz möglich ist. Wenn du jahrelang nur Rock, Pop und Metal gespielt hast, ist das eine völlige Umstellung", resümiert der junge Mann. Endgültig umgestimmt hat ihn dann sein Musiklehrer Hans-Michael Barth. "Willst du mit 50 Jahren immer noch in einer Kneipe das Brot für den nächsten Morgen verdienen", lautete die provokante Frage. "Ja, und da habe ich mir dann überlegt, dass man sich als vielseitiger Musiklehrer an einem Gymnasium sicher beliebt machen kann, und gesucht sind Musiklehrer auch", ist der Neuling der Musikhochschule überzeugt.

