Von Christine Tscherner
Philippinische Ordensschwestern betreuen Gäste im Ockenheimer Kloster Jakobsberg
OCKENHEIM/JAKOBSBERG. Kaum waren sie in Deutschland, paukten die philippinischen Schwestern des Klosters Jakobsberg Deutsch. Über Grammatik-Hürden im Habit, über Schnee und Sauerkraut sprach die AZ mit den Nonnen.
Sauerkraut, Spundekäs und Schnee - das sind die Zutaten, die der Benediktinerin Andrea den kalten deutschen Winter schmackhaft machen. "Schneeflocken kenne ich aus meiner Heimat überhaupt nicht. Die finde ich wunderschön." Die 30 Grad philippinische Wärme wären derzeit das ideale Tauschgeschäft für grippe-geschwächte Rheinhessen. Aber so ein Handel ist auch mit himmlischem Segen leider nicht einzufädeln.
Mit gerade 24 Jahren trat Schwester Andrea in den Orden der "Benediktinerinnen des Eucharistischen Königs" ein. Seit dem vergangenen Sommer lebt sie auf dem Jakobsberg. Die Gottesdienerinnen aus Asien stellen inzwischen über die Hälfte des Missions-Ordens in Deutschland.
Leute heute
Besonders die Inselrepublik der Philippinen wird seit der spanischen Kolonialherrschaft vom christlichen Glauben dominiert. Im größten christlich geprägten Land Südostasiens herrscht kein Mangel an Nonnen-Nachschub. Über 80 Prozent der Bevölkerung sind katholisch. Derzeit wird dort die höchste Marienstatue der Welt errichtet - größer als die New Yorker Freiheitsstatue und das Jesus-Wahrzeichen in Rio.
Kristia und Andrea besuchten als Startpaket täglich den Integrationskurs der Binger Volkshochschule. Grammatik, Vokabeln und Landeskunde haben sie in einer bunt zusammen gewürfelten Lerngruppe gepaukt. Beide wollen mit dem Prüfungszertifikat nicht stehen bleiben.
Zwei Mal in der Woche gehen sie deshalb zum Fortgeschrittenen-Unterricht. Sie spüren: Mit der Sprache macht der Kontakt zu den Menschen mehr Spaß. Die Glaubensschwestern signalisieren Integrationswillen, den sich Politiker nicht besser wünschen können.
Gerade sind Vergangenheitsformen Thema. "Viel, viel schwerer als Italienisch", vergleicht Schwester Andrea. Die 49-Jährige ist nämlich schon viel herum gekommen. Vor ihrem Deutschland-Einsatz lebte und arbeitete sie in Belgien, davor zwei Jahre in Rom und vier Jahre in Israel. "Als mich die Oberin gefragt hat, da habe ich Ja gesagt." Entschlüsse nach Klosterart brauchen wenig Vorlauf.
Zwar ist seit dem vergangenen Oktober der Integrationskurs für Ausländer Pflicht, aber das Lernen von Sprache und Landeskunde gehört für den Einsatz von Missionsschwestern zum Selbstverständnis. Große Priorate auf den Philippinen und in Südkorea sowie kleinere in China und Indien sind Personal-Quellen, auf die deutsche Häuser nicht mehr verzichten können. Spiritualität und zupackende Hände der Kongregationen sind in Europa gefragter denn je.
Im 1960 gegründeten Priorat Jakobsberg gehören Andrea und Kristia zu den Debütantinnen der Gemeinschaft St. Ottilien in Oberbayern. Weitere Benediktiner-Schwestern sollen für das entstandene Doppelkloster folgen. Es beherbergt neben den neuen Schwestern derzeit fünf Pater und fünf Brüder.
Die Frauen im Habit sind im umgebauten Nebenhaus "St. Christoph" untergebracht. Mit ihrem Volkshochschul-Deutsch im Gepäck klappt die Verständigung schon recht gut. Und wenn Grammatik und Vokabeln doch an Grenzen stoßen, dann hilft "Bodytalk", Lücken zu füllen mit Körpersprache. Manchmal braucht es nämlich gar nicht viele Worte, um Mut zu geben, Kraft zu schenken und das Leben ganz einfach positiv zu sehen. Umarmung und grenzenlose Herzlichkeit reichen.

