Großes Herz für Hilfsbedürftige
01.09.2010 - OCKENHEIM
KIRCHE Todestag von Pfarrer Georg Helferich jährt sich heute zum 100. Mal / Straße in Ockenheim nach ihm benannt
(red). Heute genau vor hundert Jahren, am 1. September 1910, verstarb bei einer Heilbehandlung in Bad Salzschlirf (Nähe Fulda), im Alter von 72 Jahren Pfarrer Georg Helferich. Er hat sich in besonderem Maße um die Gemeinde Ockenheim verdient gemacht. Nicht nur durch seine „moderne“ Glaubensverkündigung, sondern auch auf sozialem Gebiet brachte er den Ort voran. Wegen seiner Verdienste wurde bald nach seinem Tod eine Straße nach ihm benannt (Querstraße: Gartenstraße zur Rheinstraße).
44 Jahre, davon acht Jahre als Kaplan und 36 Jahre als Pfarrer, war er in Ockenheim tätig. Anders als sein Vorgänger war Pfarrer Helferich nicht in der Volksfrömmigkeit verwurzelt, er verkündete vielmehr einen an den Vorgaben der Kirche von Mainz und dem Evangelium orientierten Glauben. So fielen manche Gebets- und Andachtsübungen weg. Andererseits war er ein großer Förderer der sakramentalen Bruderschaft und führte die Herz-Jesu-Verehrung in Ockenheim ein. Dazu widmete er den linken Nebenaltar um. Außerdem band er die Kapläne mehr in die Seelsorge, den Liturgie- und Predigtdienst ein. Als Vorsitzender des Schulvorstandes der katholischen Volksschule ging er bereits 1879 zusammen mit Bürgermeister Anton Hattemer (1878 bis 1897) daran, das marode und zu kleine Schulgebäude in der Schulstraße durch einen Neubau zu ersetzen. 1881 konnte der Neubau mit zwei Klassenzimmern und zwei Lehrerwohnungen am gleichen Ort (heute Anwesen Lesch) eingeweiht werden. Aber schon bald waren wegen der steigenden Einwohnerzahl die Räume unzureichend und 1905/06 wurde auf Initiative von Bürgermeister Philipp Jakob Reckert und Pfarre Helferich ein neues Schulgebäude mit einem angrenzenden Haus für Lehrer an der Mainzer Straße errichtet.
Schon in den 1880er Jahren war es das Bestreben von Pfarrer Helferich, eine Einrichtung für die Kleinkinder und besonders für die Mädchen nach dem Besuch der Volksschule am Ort zu haben. 1903 glückte es ihm, Ordensfrauen nach Ockenheim zu holen. Sie betreuten eine Kinderverwahranstalt und eine Industrieschule für die jungen Frauen, besser bekannt als Nähschule. Gleichzeitig betreuten sie Kranke und Sterbende.
Die Ende des 19. Jahrhunderts einsetzende rege Bautätigkeit unterstützte der Pfarrer. Die Kirchenkasse diente manchem als Zwischenfinanzierung. Bei Winzern ließ sich Pfarrer Helferich die Verbindlichkeit durch Abgabe von Trauben begleichen. Er kelterte die Trauben, auch aus von der Pfarrei bebauten Weinbergen, selbst und vermarktete den Wein.
Aber auch für die Minderbemittelten hatte Pfarrer Helferich ein großes Herz. Zusammen mit den Gemeindeverantwortlichen sorgte er dafür, dass diese oft kinderreichen Familien wenigstens das Notwendige zum Lebensunterhalt hatten.
Sein Eifer galt zudem dem Erhalt der 1774 erbauten Pfarrkirche. 1877 beschaffte er drei neue Glocken. Er legte 1883 ein Kirchenbaukapital an. 1886 mussten allerdings zunächst die Schäden durch einen heftigen Blitzschlag, der am Turm, Gebälk und im Inneren der Kirche wütete, beseitigt und Ersatzkäufe getätigt werden.
Zwischen 1893 und 1895 kam dann die Innenrestaurierung: neue Fenster, erstmalige Ausmalung mit Deckengemälden, dazu üppige Dekorverzierungen und Überstreichen aller übrigen Gegenstände aus Holz, schließlich noch der Kauf von Heiligenfiguren. Pfarrer Helferich war ein Freund der Nazarenerkunst. Ohne Rücksicht auf die barock-geprägte Kirche erstrahlte sie nun in bunten Farben - der Gemeinde hat dies gefallen. 1896 ließ er die Kirche außen verputzen und anstreichen.
1905 errichte er links in der Mitte des Kirchenschiffes einen zusätzlichen Marienaltar mit der gotischen Madonna. Zusätzlich stiftete er eine neue Turmuhr. 1895 kaufte er schließlich die Jakobusstatue für die Nothelferkapelle, ließ die Kapelle dann teilrestaurieren und mit zusätzlichem Dekor versehen.

