10. Februar 2012 17:50 Uhr
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Allgemeine Zeitung

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Gau-Algesheim 

Aus Bruchstücken rekonstruiert

08.09.2010 - GAU-ALGESHEIM

Von Alfons Molitor und Conny Haas

FELDKREUZ Manfred Wantzen erstellt Abguss des Original-Korpus / Einweihung in Gau-Algesheim am Dienstag

Das Feldkreuz „Im Hippel“ hinter den Hochhäusern ziert seit kurzem ein Abguss des Original-Korpus (Leib Jesu Christi) aus Epoxidharz. Zu verdanken ist dies dem Gau-Algesheimer Manfred Wantzen. Zum Fest der Kreuzerhöhung findet am nächsten Dienstag, 14. September, um 19 Uhr, verbunden mit dem alljährlichen Gottesdienst, die offizielle Einweihung statt.

Bereits vor rund 40 Jahren ist der Orginal-Korpus verwittert zu Boden gefallen und zerborsten. Damals hatte der Jahrgang 1937 das Kreuz nach damaligen Möglichketien restaurieren und einen Ersatz-Korpus anbringen lassen. „Dieser Korpus hat aber optisch nicht richtig zum Feldkreuz gepasst“, erinnert sich Wantzen, der sich in und um Gau-Algesheim nicht nur seit vielen Jahren um solche und ähnliche Restaurierungen verdient gemacht, sondern im Jahr 2003 auch ein „Bändchen“ mit dem Namen „Von Kreuzen, Bildstöcken, Heiligenhäuschen und frommen Zeichen in und um Gau-Algesheim“ herausgebracht hat.

Nachdem jetzt am Feldkreuz „Im Hippel“ erneut der Zahn der Zeit genagt hat und es wieder zur Restaurierung anstand, hat sich Manfred Wantzen an ein vor rund zehn Jahren geführtes Gespräch erinnert. „Bei einer meiner Führungen auf dem alten Wallfahrtsweg zur ehemaligen Kapelle am Westerberg hat mir der Maler Karl-Heinz Brauser davon berichtet, dass er sich vor rund 40 Jahren den relativ gut erhaltenen Christuskopf des am Boden zerschellten Korpus gesichert hatte.“ Zudem hatte Friedhofsgärtner Heinrich Metzger die Bruchstücke des Korpus aufgesammelt und diese ebenfalls Karl-Heinz Brauser zur Aufbewahrung gegeben. Und so kam Manfred Wantzen auf die Idee, den alten Korpus wieder herstellen und einen Abguss machen zu lassen. Karl-Heinz Brauser gefiel diese Idee, und deshalb stellte er die Originalteile gerne zur Verfügung.

Den Abguss fertigte schließlich der aus Nackenheim kommende Steinmetz- und Bildhauermeister Rainer Knußmann. Hierfür mussten in mühevoller Kleinarbeit die einzelnen Teile wieder zusammengefügt werden. Unterstützt wurde Knußmann dabei von Jürgen Kliemt, Restaurator im Maurerhandwerk. Finanziert wurde der Korpus-Abguss über Zuschüsse aus öffentlichen Mitteln, Kirchenmitteln und vielen privaten Spenden. Gesamtkosten: rund 9 500 Euro.

Weil die Gau-Algesheimer Karl-Heinz Brauser dankbar sind, dass er all die Jahre die Korpusteile aufgehoben hat, erhält er jetzt einen Abguss des Christuskopfes. Brauser hatte nämlich - fasziniert vom Gesichtsausdruck des Gekreuzigten - den Christuskopf nicht nur zum Gegenstand seiner zahlreichen Gemälde gewählt, er plante auch auf seinem Anwesen auf der Höhe des Westerberges eine kleine Grotte, in der der Christuskopf den Mittelpunkt bilden sollte.

Übrigens: Das Feldkreuz stand früher nicht „Im Hibbel“, sondern an einer Wegegabelung am Kreuzweg. Es musste allerdings dem Neubaugebiet „Westerberg“ weichen und wurde schließlich vom Jahrgang 1937 mit Initiator Klaus Schön in Patenschaft zur Pflege genommen. Die Versetzung des Kreuzes erfolgte unter Pfarrer Dr. Ludwig Hellriegel, nachdem sein Vorgänger Jakob Stumpf die Vorverhandlungen zum neuen Standort geführt hatte. Den neuen Platz stiftete die Gau-Algesheimer Lehrerin und Malerin Regina Bormuth. In zahlreichen freiwilligen Arbeitsstunden und unter fachlicher Anleitung des städtischen Vorarbeiters Wendelin Hassemer legten die 1937er aus Bruchsteinen eine massive Stützmauer für das Kreuz an. Sie freuen sich besonders, dass jetzt ein Abguss des Original-Korpus „ihr“ Feldkreuz ziert.

Der Original-Korpus wurde - wie auch die Pieta unter dem Marienchor der katholischen Pfarrkirche und die Statue des Brückenheiligen Johannes Nepomuk - in der Mainzer Steinmetzwerkstatt von Burkard Zamels geschaffen.

Restaurator Jürgen Kliemt (li.) und Steinbildhauer Rainer Knußmann (re.) am neuen Feldkreuz. In mühevoller Kleinarbeit wurde der Christus-Corpus anhand von Bruchstücken des Originals rekonstruiert. 	Foto: Thomas Schmidt

Restaurator Jürgen Kliemt (li.) und Steinbildhauer Rainer Knußmann (re.) am neuen Feldkreuz. In mühevoller Kleinarbeit wurde der Christus-Corpus anhand von Bruchstücken des Originals rekonstruiert. Foto: Thomas SchmidtVergrößern

DATEN & FAKTEN
Die Inschrift auf dem Sockel des Kreuzes, das die Jahreszahl 1769 trägt, lautet „O Christi Wunden roth, Mein Hülf in letzter Noth. Mein Trost im bittern Todt. O Füß, o Händ, o Seit‘, Mein Sieg im letzten Streit, Mein Pfand der Seligkeit.“ Die Initialen „J. P. O.“ konnten bisher nicht eindeutig zugeordnet werden.
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