Ende des „Wirtschaftsnotstands“?
01.09.2010 - GAU-ALGESHEIM
Von Alfons Molitor und Conny Haas
GASTRONOMIE In Gau-Algesheim soll es künftig mehr Mittagsangebote für Touristen geben
Die Stadt Gau-Algesheim ist um die Entwicklung des Tourismus bemüht. Die Mitarbeiter der Tourist-Information in der Rathausscheune organisieren und koordinieren Besucherwünsche. Die Mittwochs-Weinprobe hat sich zu einem beliebten Treffpunkt von Gästen und Weinfreunden entwickelt, auch bei den Übernachtungsmöglichkeiten ist ein positiver Trend zur Erweiterung des Angebotes zu beobachten. Problematisch wird es allerdings, wenn Gäste mittags Essen gehen wollen. Ganz kritisch ist der Mittwoch.
Wegfall der Weinstube herber Verlust
Scherzhaft sprechen deshalb die alteingesessenen Gau-Algesheimer vom „Wirtschaftsnotstand“. So wie das ehemals für ein gut bürgerliches Speisenangebot bekannte „Winzerhaus“ leer steht, so steht um die Mittagszeit der Besucher vor geschlossenen Gasthäusern. Zahlreiche beliebte Traditionsgaststätten früherer Zeiten haben wegen mangelndem Nachwuchs geschlossen. Jüngst stellte „Fetzers kleine Weingalerie“ den Betrieb ein. Für die Fremdenverkehrsgemeinde ist der Wegfall dieser Weinstube ein herber Verlust. Immerhin waren hier Spitzenweine der Stadt und aus der Nachbarschaft in reichem Maße als offene Weine erhältlich.
Den Einheimischen und Gästen stehen derzeit fünf Gasthäuser (Ratskeller, Schloss Ardeck-Restaurant, zwei Pizzerien und das Schlemmer House) sowie zwei „Kebap-Häuser“ und acht Gutsschänken und Straußwirtschaften zur Verfügung, zwei davon allerdings auf dem Laurenziberg. Mittagstisch, und vor allem „Rheinhessischer“, wird selten angeboten.
„Ich wünschte mir eine bessere Absprache innerhalb der Anbieter zur Erfüllung der Erfordernisse von Gästen. Erzwingen lässt sich da aber nichts“, zeigt sich Stadtbürgermeister Dieter Faust hilflos und fügt an: „Ein gastgerechtes Angebot zu regeln, kann allerdings nicht persönliche Aufgabe des Stadtbürgermeisters sein.“
Die AZ hat deshalb an anderer Stelle nachgefragt. Andreas Hattemer, der Pate des Arbeitskreises „Kultur und Wein“ im Rahmen des Stadtleitbildes, fühlt sich hier aber ebenfalls nicht zuständig: „Die Koordination von Öffnungszeiten ist eigentlich weniger mein Ding, sondern meine Aufgabe verstehe ich darin, Kultur in Verbindung mit Wein zu bringen, was selbstverständlich auch ein Angebot für den Gast ist.“ Er verweist deshalb auf den Verkehrsverein. „Der Heimat- und Verkehrsverein wurde von den Wirten Otto Lindemann und August Bieser unter anderem mit dem Ziel gegründet, den Fremdenverkehr zu fördern - selbstverständlich auch im Sinne der Gastronomie.“ Und das solle auch so bleiben.
Verkehrsvereinsvorsitzender Peter Kreßmann räumt ein, schon seit langem mit den betroffenen Wirten im Gespräch zu sein - allerdings vergeblich. „Wir können niemanden zwingen, seinen Ruhetag zu verschieben.“ Während das „Schlemmer House“ in der Marie-Curie-Straße täglich geöffnet hat und Mittagstisch anbietet, ist dies dem städtischen Schloss-Ardeck-Restaurant nicht möglich. Pächter Roland Scholl verweist darauf, dass er derzeit die noch fehlenden Mensen für die beiden Gau-Algesheimer Schulen ersetzt. Das „Schlemmer House“ im Gewerbepark Santa Fé ist für den Touristen eher schwer erreichbar und bietet zudem nur Schnellküche ohne Bedienung an. Der Ratskeller am Marktplatz hat um die Mittagszeit geöffnet - außer mittwochs. Lediglich die Pizzeria Europa bietet mittwochs noch einen Mittagstisch an.

