Von Jacqueline Grünewald
ZUFLUCHTSORT Selin Erisken sucht für Hündin Finnia aus Spanien eine Familie
Selin, Sara und Sami, Anouk, Finnia, Junior und Foxi teilen sich eine Dachgeschosswohnung in Bingerbrück. Was sich zunächst nach einer riesigen Wohngemeinschaft anhört, entpuppt sich schnell als letzte Rettung: Denn Studentin Selin Erisken nimmt verstoßene, eigentlich dem Tod geweihte Tiere aus Spanien auf, bietet ihnen bei sich zu Hause einen Zufluchtsort und versucht, für sie in Deutschland neue Familien zu finden.
Finnia kuschelt für ihr Leben gern, sie liebt Kinder, Katzen und andere Hunde, sie bellt nicht, geht gern spazieren und ist stubenrein. Treppen steigen kann Finnia nicht, die mindestens acht Jahre alte Drahthaar-Fox-Terrier-Hündin leidet an Spondylose, einer altersbedingten Krankheit, welche die Wirbel instabil werden lässt. Doch auch das wird durch Spaziergänge besser. „Finnia ist super, und dennoch hat ihr Besitzer in Spanien sie in eine Tötungsstation gegeben“, erzählt Selin Erisken.
Finnia wurde nicht mehr gebraucht, wäre jetzt nicht bei Selin in Bingerbrück und hätte keine Chance auf ein neues, zweites Leben, wenn nicht der Verein „Tiere in Spanien“ die Hündin gerettet hätte. „Die Organisation arbeitet mit verschiedenen Stationen in Spanien zusammen und seit der Kooperation sind dort keine Tiere mehr getötet worden“, sagt Selin. „Vor allem Katzen und Hunde werden tierärztlich versorgt und ausreisefähig gemacht, sie kommen nach Deutschland zu ehrenamtlichen Pflegern wie mir.“ Selins Katzen Sami und Sara sind auch beide Spanier. Heute liegt Sami zufrieden schnurrend auf dem Tisch in der Sonne, genießt jede Streicheleinheit. „Das war nicht immer so, als er zu mir kam, hatte er kaum noch Fell, überall blutige Stellen und stank bestialisch.“ Doch die 22-Jährige pflegte den Perser-Kater wieder gesund - und behielt ihn. Drei Hunde und eine Katze konnte Selin schon vermitteln, jetzt sucht Hündin Finnia ein neues Zuhause. Eigentlich studiert Selin Erisken Umweltschutz und schreibt ihre Bachelor-Arbeit. Eigentlich ein zeitraubendes Vorhaben - eigentlich. „Aber für Tiere habe ich mich schon immer eingesetzt, zuerst im Tierheim, dann habe ich zu Beginn meines Studiums im Internet nach Vereinen gesucht, in denen ich mich engagieren kann. ‚Tiere in Spanien’ hat einfach zu mir gepasst“, berichtet Selin. Futterkosten übernimmt Selin selbst, die Tierarztkosten bezahlt der Verein.
Die fröhliche, sehr nette Studentin gehört mittlerweile zum Bingerbrücker Stadtbild, wenn sie mit ihren Hunden spazieren geht. „Meine Nachbarn fiebern bei jedem Tier mit, fragen, ob sich schon ein neues Zuhause gefunden hat.“ Interessenten können das Tier immer vorher kennen lernen, Selin schaut sich das neue Zuhause an und spricht mit den potenziellen neuen Besitzern. „Ich habe die Verantwortung für ein Tier, das schon viel erlebt hat. Es macht Spaß mit einem lachenden und einem weinenden Auge zu sehen, wie das Tier sich in seinem neuen, richtigen Zuhause einlebt.“

