Donnerstag, 09. September 2010 19:00 Uhr
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Allgemeine Zeitung

Bingen 

Hallendach wird nicht grün

11.03.2010 - BINGEN

Von Christine Tscherner und Lena Fleischer

NSM Bebauungsplan führt im Ausschuss erneut zu Diskussionen/Firma verspricht Bäume

Wie die Fassade der neuen Lagerhalle aussehen soll, die die Firma NSM-Löwen Entertainment "Am Holzweg" bauen will, darüber hatte der Bauausschuss in seiner jüngsten Sitzung nicht zu entscheiden.

Der Ausschuss indes sprach sich dafür aus, dass der Entwurf des Bebauungsplans "Am Holzweg" ab nächster Woche offengelegt wird. Dafür stimmten acht Mitglieder im Bauausschuss, vier waren dagegen und zwei enthielten sich. Gleichzeitig sprach sich die Mehrheit für die Beteiligung der Träger öffentlicher Belange aus.

Eine Dachbegrünung und eine farbige Außenwand wird es nach den aktuellen NSM-Plänen nicht geben. Ein Flachdach mit beiger Folie stellt sich das Unternehmen vor. Dafür hagelte es Kritik von SPD und Grünen, die auch im Vorfeld mehr Farbe für neue Hallen gefordert und sich für ein möglichst landschaftsverträgliches Aussehen eingesetzt hatten (wir berichteten mehrfach).

Dr. Till Müller-Heidelberg, Chef der SPD-Fraktion, stellte im Bauausschuss den Antrag, im Bebauungsplan festzuschreiben, dass die Fassade durch großkronige Bäume verdeckt sein muss. "Das ist doch kein Hexenwerk, und alle reden darüber, wie wichtig es ist, das Stadtbild zu verbessern."

Dagmar Leitner, Mitarbeiterin im Bauamt, wies jedoch darauf hin, dass dort, wo die Halle entstehen soll, bereits Bäume wachsen. Für sie macht es schlicht "keinen Sinn, Bäume erst zu roden und dann neue zu pflanzen". Außerdem sagte sie, die Gesamtgehölzstruktur entlang der Halle sei zum Erhalt festgesetzt - es wird dort also Grün geben.

Eine "Frage der Verantwortung" ist es für Grünen-Fraktionsvorsitzenden Jens Voll, der fand: "NSM gibt der Stadt viel, und wir nehmen es gern. Aber die Firma nimmt auch viel, verändert das Stadtbild." Die CDU-Fraktion ist anderer Meinung, und Vorsitzender Frank Berlep betonte: "Wir sind froh um Arbeitsplätze und Gewerbesteuereinnahmen der Firma." Letztlich wurde der SPD-Antrag abgeschmettert, Bäume werden nicht im Bebbauungsplan verankert.

"Was die Begrünung angeht, da laufen die Fraktionen bei uns offene Türen ein", sagte Volker Isenmann, Pressesprecher der Löwen, auf AZ-Anfrage. Er verspricht: "Wir werden drumherum so viel pflanzen, wie erlaubt ist." Keine kleinen Bäumchen sollten da wachsen, sondern solche, die bereits mindestens die Hälfte der Halle verdeckten. Die Halle jedoch bleibt silbrig-grau mit grünen Unterbrechungen. "Eine Sonderanfertigung wird es nicht geben", sagt Isenmann.

Vor knapp 30 Bauausschuss-Entscheidern und Mitarbeitern der Stadtverwaltung hatte NSM-Löwen Entertainment am Vortag der Aussschussitzung seine grüne Seite präsentiert, das Engagement für Zaumeidechsen-Habitate, Energie-Einsparung und Heizkosten-Senkung. Der Ortstermin sollte verdeutlichen: Löwen-Entertainment macht viel mehr für die Umwelt als zwingend nötig. Der eigens beauftragte Diplom-Biologe Thomas Merz verwies auf die Umplanungen für den Arten- und Biotopschutz. Karten wurden dem Ausschuss präsentiert. Grüne Kreuze markieren gesichtete Zauneidechsen auf dem Werksareal. Die streng geschützten Tiere erhalten eigens aufgeschüttete und bepflanzte Brut- und Lebensräume auf ehemaligen Äckern. Der Aufwand für das Baufeld ist enorm. Werksleiter Raymund Eckes zählt eine Fülle von Punkten auf, die das Löwen-Hauptquartier für den Umweltschutz in Gang gesetzt hat. Von Abfallvermeidung bis CO2-Reduzierung, von Photovoltaik und Dämmung auf dem Hallendach bis hin zu halbiertem Stromverbrauch bei gleichzeitig stark gestiegener Produktion reicht seine Liste. Aus Sicht der Firma tut das Unternehmen enorm viel für Umwelt, Optik und Außenwirkung.

Was im Holzweg entstehen soll, sei längst kein "simpler Zweckbau", betont Pressesprecher Isenmann, der findet, Kritiker und NSM seien aufeinander zugegangen. Für ihn war die Zusammenkunft eine "harmonische Veranstaltung".

So soll nach Plänen der Firma NSM die neue Lagerhalle im Büdesheimer "Holzweg" aussehen.Stadt Bingen


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