Montag, 13. Februar 2012 02:37 Uhr
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Allgemeine Zeitung

Bingen 

Ausblick erneut gestört

09.03.2010 - BINGEN

SALZKOPFTURM Sanierung von Frostschäden kostet 80000 Euro

(cts). Zu Ostern soll der Salzkopfturm wieder öffnen. Der strenge Winter und mehr Schäden als gedacht haben die Renovierungsarbeiten verzögert. Kosten: Mindestens 80000 Euro.

Der Salzkopfturm gehört zu den klassischen Ausflugszielen im Binger Wald. Weit reicht der Blick vom 23 Meter hohen Turm über Baumwipfel und Mittelgebirgszüge. Tief unten windet sich bei guter Sicht der Rhein. Eine Metallplatte am Ausguck verrät, wo welche Gemeinde am Horizont zu sehen ist. Google Earth im Kleinen.

Die höchste Erhebung im Binger Wald macht auf 628 Metern freie Rundumsicht möglich. Aber die touristische Funktion erhielten Türme wie am Salzkopf erst in den vergangenen Jahrzehnten. Ursprünglich gebaut, haben sie Waldbesitzer zur Feuerwache in trockenen Sommern. Rauchsäulen sind von hier oben Kilometer weit zu sehen.

Fäulnis setzte der hölzernen Konstruktion des Turmes zu. Insbesondere ein Stützfeiler in acht Metern Höhe war so bedrohlich angefault, dass der Turm nicht mehr bestiegen werden konnte. Den ganzen Winter über blieben die Turmstiegen für Wanderer gesperrt. "Die Arbeiten werden hoffentlich bis zu den Osterferien abgeschlossen sein", sagt Forstdezernent Hans-Jürgen Klöckner auf AZ-Nachfrage.

Dass ein über 100 Jahre alter Holzturm irgendwann saniert werden muss, das leuchtet ein. Aber der Salzkopfturm hat nicht einmal zehn Jahre seit seinem Wiederaufbau auf dem Buckel. Durch gefräßige Ameisen hatte der Ur-Turm Standfestigkeit eingebüßt.

Warum halten anderswo Holztürme Fäulnis und Fraß anscheinend länger stand? Gibt es Ausblick-Varianten auf Windkraftanlagen? Die Opposition aus Grünen und SPD hatte in den städtischen Ausschüssen nachgebohrt, als Nachschläge zum Kostenansatz verlangt wurden. Immerhin 80000 Euro verschlingt die erneute Renovierung.

Zwei Jahre lang war der Salzkopfturm Ende der 90-er gesperrt. Der damalige CDU-Stadtratsvorsitzende Franz Roos startete eine Spendenaktion für die Reparatur. Ihm zum Gedenken erhielt der schlanke Feuerwachturm mit den steilen Treppen den Namenszusatz "Franz Roos".

Knapp 50000 Euro kostete die Sanierung damals. Die Sanierung kam der Rettung eines todkranken Patienten gleich: Injektionen mit Kunstharz in Altstämme, verstärkte Zwischenebenen, Prothesen für malade Eichenstücke.

Trotz der angekündigten Lebensdauer von "mindestens 40 Jahren" hielt das Versprechen nur rund zehn Jahre. Eine neue Untersuchung attestierte zudem größere Schäden als befürchtet. Ein "Anti-Aging-Programm" wird die Zukunft des Turms sichern: Kürzere Gutachter-Intervalle sollen böse Überraschungen vermeiden helfen.

Bald soll der Salzkopfturm wieder zu erklimmen sein. Zurzeit werden aber noch Winterschäden repariert.Archivfoto: hbz/Alexander Sell


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