RILKE-ABEND Duo vertont Werke des Lyrikers
(bika). Neben Hermann Hesses und Heinrich Heines Gedichten vertonten Julie Spencer und Gernot Blume die Werke eines weiteren deutschsprachigen Lyrikers: Rainer Maria Rilke. Das Paar gestaltete unter dem Titel "Der gebrochene Engel" einen Abend, bei dem "Worte und Musik miteinander verschmolzen", wie Reiner Oschewsky, Leiter des Stefan-George-Gymnasiums (SGG), es ausdrückte.
In Higa-Aula
Zusammen mit Birgid Lier-Kories, Direktorin der Hildegardisschule, dankte er Spencer und Blume für ihr Engagement. Das SGG hatte zusammen mit der Hildegardisschule (Higa) den Abend organisiert, der in der Aula des Mädchengymnasiums stattfand.
Eingerahmt von dunkelroten Vorhängen auf sanftbeleuchteter Bühne standen Flügel, Becken, Harfe und Vibrafon für die beiden Musiker bereit. Der Saal war abgedunkelt. 18 Gedichte präsentierten Spencer und Blume. Meist saß er am Flügel, während sie hinter dem Vibrafon stand und es mit Schlägeln oder einem Bogen bearbeite. Zwischendurch entlockte Blume auch der Harfe Töne, die seine vorgetragenen Worte umhüllten, oder Spencer schlug mit Vorder- und Rückseite der Schlägel auf die beiden Becken. Besonders Julie Spencer schien mit den unterschiedlichen Möglichkeiten der Instrumente zu spielen, indem sie verschiedene Spielweisen nutzte.
Nicht weniger experimentierfreudig setzte sie auch ihre Stimme ein. Während Blume klar die Gedichtstexte sang, summte sie mal nur Melodien, sang dann hell im Hintergrund. Nur an einer Stelle des Abends trat ihre Stimme mit Worten klar in den Vordergrund: Das letzte Wort in "Seit mich mein Engel nicht mehr bewacht" trug sie alleine vor; es klang zarter als der Flügelschlag des besungenen Engels. Schade, dass das Publikum angehalten war, keinen Applaus nach den einzelnen Stücken zu spenden.
Keine leichte Kost
Trotz der Einführungen, die Blume den meisten Gedichten voranstellte, war es nicht einfach, die volle Bedeutung der Stücke zu erfassen. Blume selbst erkannte den hohen Anforderungsgrad der Werke an. "Ich weiß ja auch, dass das hier keine leichte Kost ist", sagte der Musikwissenschaftler am Ende des Konzerts. "Aber manchmal muss ja auch Zeit für schwere Kost sein."
Der Applaus zeigte, dass sich das Publikum, vor allem Lehrer und Oberstufenschülerinnen und -schüler, gerne diesem schwer verdaulichen Programm gewidmet hatte.

