Von Julia Weinheimer
HALBJAHRESZEUGNISSE Schulen bieten Gespräche an / Eltern mit ins Boot nehmen
Heute gibt es an den Binger Schulen die Halbjahreszeugnisse. Sie sollen vor allem dabei helfen, die eigene Leistung besser einschätzen zu können, eventuelle Probleme zu erkennen und bis zum Schuljahresende in den Griff zu bekommen. Doch wie können Eltern ihren Kindern konkret helfen, sich auf die folgenden Monate vorzubereiten und die Versetzung in die nächste Klassenstufe zu sichern?
"Ich rate vor allem intensive Lehrer-Eltern-Gespräche an, um genau herauszufinden, was man tun kann", erklärt Reiner Oschewsky, Schulleiter des Stefan-George-Gymnasiums. Bei jedem Schüler müsse aufs Neue nach den Ursachen der Leistungsschwäche gesucht werden, vor allem sei aber wichtig, "die Kinder nicht alleine für die Probleme verantwortlich zu machen."
Diese Meinung teilt auch Birgid Lier-Kories, Schulleiterin der Hildegardisschule: "Aus meiner Perspektive verbietet sich eine pauschale Empfehlung. Wenn Schülerinnen schlechte Noten im Halbjahreszeugnis haben, sollten sich Schülerin, Eltern und Fachlehrer gemeinsam beraten, um die individuellen Gründe der Defizite zu erforschen." Volljährige Schülerinnen könnten diese Beratungen zwar auch selbstständig führen, doch natürlich sei es auch hier möglich und häufig sinnvoll, die Eltern mit ins Boot zu holen.
Die "Realschule plus" am Scharlachberg bietet direkt in der Woche nach der Zeugnisausgabe einen Elternsprechtag an. "Hier können Unstimmigkeiten und Probleme zwischen Eltern, Lehrern und Schülern behoben werden", begründet Konrektorin Annemarie Müller diesen Termin. Sie sagt auch, dass Eltern eigentlich nicht von einem schlechten Zeugnis ihrer Kinder überrascht werden sollten: "Schließlich müssen die Erziehungsberechtigten die Klassenarbeiten unterschreiben und sollten auch sonst den Kontakt zur Schule pflegen."
Für viele schwache Schüler sei es von Vorteil, das ganztägige Betreuungsangebot in Anspruch zu nehmen, um möglichst viel Unterstützung bei den Hausaufgaben und der Vorbereitung auf Klassenarbeiten zu bekommen.
Bei extremen Problemen im Lernverhalten stünde außerdem Schulsozialarbeiterin Michaele Schmalen zur Verfügung: "Sie kennt die Schüler recht gut und kann deswegen auch eine große Hilfe sein, wenn es beispielsweise darum geht, einen individuellen Lernplan zu erstellen."
Auch die Berufsbildende Schule Bingen (BBS) sucht direkt im Anschluss an die Halbjahreszeugnisse das Gespräch mit den Schülern, am 6. Februar findet hier ein Tag der offenen Tür statt. Da die Mehrzahl der Schüler bereits volljährig ist, besteht oftmals kein Kontakt zu den Eltern.
"Wir haben bei den jüngeren Kindern dann auch oft das Problem, dass sich die Eltern nicht um die schulischen Leistungen ihrer Kinder kümmern", erklärt Martin Kosmus, pädagogischer Leiter der BBS. In vielen Fällen würde nicht darauf geachtet, ob die Jugendlichen auch regelmäßig am Unterricht teilnehmen und ob Hausaufgaben erledigt würden. Er empfiehlt, Lerngruppen mit leistungsstärkeren Schülern zu bilden: "So können sich die Kinder untereinander helfen." Besorgte Eltern sollten sich klar machen, dass zum Zeitpunkt der Halbjahreszeugnisse noch nichts entschieden sei - also auch kein Grund zur Panik besteht. "Enttäuschung dürfen Eltern natürlich ausdrücken", fasst Annemarie Müller an dieser Stelle zusammen, "aber sie sollten keinesfalls überreagieren. Das Kind muss immer spüren, dass es sich auf die Unterstützung seiner Familie verlassen kann."

