GYMNASIUM Blut für Benefizaktion zugunsten der Deutschen Knochenmarkspenderdatei
(lef). Sie spendeten ein kleines Röhrchen Blut, das große Wirkung zeigte: Anfang des Jahres hatten Schüler des Stefan-George-Gymnasiums zu einer Benefizaktion zugunsten der Deutschen Knochenmarkspenderdatei (DKMS) eingeladen. "Leben spenden macht Schule", lautete das Motto eines Wettbwerbs, an dem sich das SGG beteiligte.
Initiator der Aktion war der Lehrer Rudolf Müller. Und er ist ganz nah dran am Thema Leukämie: Vor fast 19 Jahren wurde bei ihm diese Krankheit festgestellt. Und weil er weiß, wie schwierig es ist, für einen Patienten einen geeigneten Spender zu finden, weil die Übereinstimmung der Gewebemerkmale die Voraussetzung für eine erfolgreiche Transplantation ist, wollte er ein paar Oberstufen-Schüler für eine Typisierung gewinnen.
Denn: "Wer keinen Spender findet, stirbt", weiß der Mathelehrer, dem eine Behandlung mit Chemo-Therapie und Bestrahlung das Leben gerettet hat. Doch das gelingt nicht immer. Dann ist die Übertragung gesunder Stammzellen die letzte Chance, das Leben eines Menschen zu retten. Ein paar Schüler, die Müller anfangs ansprach, fingen schnell Feuer - und steckten andere mit der Idee, sich in den Dienst der guten Sache zu stellen, an. Stammzellen spenden darf allerdings nur, wer volljährig ist. Also luden die Oberstufen-Schüler auch Freunde und Verwandte ins Rheintal-Kongress-Zentrum ein, wo zwölf Ärzte bereit saßen, um jedem Spendewilligen fünf Milliliter Blut abzuzapfen.
305 Typisierungen gelangen so an diesem Abend - für Müller ein überwältigendes Ergebnis. "Was ich erreichen wollte, ist eingetreten", sagt er, der zuvor eifrig Spenden gesammelt hatte, denn jede Typisierung, die die potentiellen Spender in die Datei aufnimmt, kostet 50 Euro.
Doch die Schulgemeinschaft des Binger SGG möchte ihre Hilfsaktion fortsetzen und hat deswegen nun eine weitere Spende in Höhe von 1 200 Euro an Thomas Waldmann von der Leukämiehilfe Rhein-Main übergeben. Dieses Geld ist ein Teilerlös des Schulfestes im Juli.
Und die DKMS belohnte die Schüler noch nachträglich für ihren Einsatz: Ihre Idee wurde ausgezeichnet, und sie machten sich auf eine Erlebnistour durchs Bergwerk Merkers, bewunderten Kristallgrotten unter Tage.
Doch auch an der Schule wirke die Aktion nach, bei der auch eine ehemalige Leukämie-Patientin und Knochenmark-Empfängerin von ihrer Erfahrungen berichtet und ein einstiger SGG-Schüler erzählt hatte, wie es für ihn war, Knochenmark zu spenden.
"Die Schüler gehen miteinander anders um", findet Müller. Noch immer könne man eine Stecknadel fallen hören, wenn etwa im Biologie-Unterricht über Leukämie gesprochen wird.
Die Krankheit und ihre Behandlungsmöglichkeiten sind plötzlich kein trockener Lernstoff mehr, wenn sich die Schüler bewusst machen, dass ein Lehrer ihrer Schule, ein Schüler, der vielleicht im Zimmer nebenan sitzt, mit Leukämie ringt.
Mit der nächsten volljährigen Schülergeneration will Müller die Benefizaktion wiederholen, er will nämlich, dass es weitergeht.

