Von Kathrin Biegner
BINGER OPEN AIR Programm für Jung und Alt in einzigartiger Atmosphäre auf dem Rochusberg
Nachdem am letzten Juni-Wochenende Jazzfreunde auf ihre Kosten kamen, ging es dieses Wochenende auf dem Binger Open Air punkiger und rockiger weiter. Manche der etwa 1000 Besucher richteten sich sogar häuslich ein - und schlugen um die 50 Zelte auf dem Rochusberg auf. Für sie stand fest: Es gibt größere Festivals - doch wenige, die einen Zeltplatz mit so tollem Ausblick bieten.
Etwa 80 Ehrenamtliche der Binger Open-Air-Kooperative mit Leuten des Jugendzentrums Bingen, des Hauses der Jugend, der Abijahrgänge 2010 von Higa und SGG und des Bundes Deutscher PfadfinderInnen (BDP) haben sich ins Zeug gelegt, um das Festival zum 20. Mal auf die Beine zu stellen. Ein festes Organisationsteam, bestehend aus einem Viertel der Ehrenamtlichen, hatte sich schon weit im Voraus für ein Gelingen eingesetzt. Mit dabei Marianne Wilke, die Sängerin der Binger Band "axiomatiX". Sie kümmerte sich darum, das Open Air bekannt zu machen. Andere Helfer fanden sich in den Arbeitskreisen "Band", "Catering", "Infrastruktur" und "Technik" wieder. "Jeder macht das, was er gut kann", erklärt die gebürtige Weilererin.
Auf dem Festivalgelände sieht man viele junge Leute zwischen 17 und 25 Jahren. Ist das die Zielgruppe? "Wir haben keine Zielgruppe", verneint Wilke. "Wir versuchen, unser eigenes Ding zu machen. Wählen die Bands aus, die uns gut gefallen". Anders als bei vielen Veranstaltungen dieser Art wird bei den Bingern etwas für die ganze Familie geboten. "Mittags können die Eltern mit ihren Kindern kommen und abends dann alleine", erklärt die 23-Jährige das besondere Prinzip.
Für das Kinderprogramm am Samstagnachmittag setzt sich besonders der BDP ein. Er betreut ein buntes Spielangebot. Highlight: die Rutsche, auf der ein Kind nach dem anderen auf einem Brett herabrutscht. Für Abkühlung sorgen auf Wunsch zwei Pfadfinder mit Spritzpistole. Die sechsjährige Marleen hatte viel Spaß mit dem Stück "Die Froschkönigin". Jetzt ruht sie sich unter einem "Chill-out-Zelt" mit Mutter und Geschwisterchen aus. In der "Ein-Frau-Show" der Schauspielerin Doris Friedmann gab es viel zu lachen - und auch zu singen.
Abends steht die Musik ganz im Vordergrund. 17 Bands stehen auf dem Programm, ob Lokalmatadoren wie die Mainzer "The Royal Ape" oder die Amerikaner von "Lord Bishop Rocks". Berührungsängste gibt es kaum: "Lord Bishop" wagt sich hinab in die tobende Menge seiner Unterworfenen. Der Sänger mit viel Charisma und Cowboyhut kommt gut an. Gleich im Anschluss heizen "Mark Foggo´s Skasters" den Bingern auf der zweiten Bühne ein. Die im Programm angekündigte "Explosion" bleibt nicht aus. Spaß, Spaß, Spaß, schnell und verrückt - Ska, wie man ihn sich wünscht. Abseits des wilden Rumgehüpfes herrscht Entspannung. Decken sind ausgebreitet, auf denen es sich Besucher bequem machen. Jeder spricht mit jedem - Marianne Wilke hat recht: Hier geht es familiär zu.

