Von Lena Fleischer
Die Kempter sollen es richten: Im dortigen Sportheim soll demnächst probehalber eine so genannte Vorfinanzierungsparty stattfinden, mit der Abiturientinnen der Hildegardisschule ihre Abifeiern bezahlen. Dafür hat sich der Stadtrat in seiner jüngsten Sitzung einstimmig ausgesprochen.
Voraus gegangen waren dem eindeutigen Votum jedoch heftige Diskussionen: Ein offener Brief des SPD-Stadtverbandsvorsitzenden Alfred Schiefer hatte den Streit entfacht. Zuvor hatte die SPD-Fraktion die Idee der Abiturjahrgänge befürwortet, ihre Partys in der Güterabfertigung zu feiern, die während der Landesgartenschau als Blumenhalle genutzt worden ist. Dass diese Anfrage abgelehnt worden ist, ließ Schiefer von Machtmissbrauch sprechen.
Bürgermeister Thomas Feser (CDU) jedoch erinnerte an eine Jugendausschuss-Sitzung im vergangenen Oktober, bei der bereits die Möglichkeiten, wo solche Party stattfinden könnten, diskutiert worden seien und die zu einer Reihe von Absagen geführt hätte, auch von Seiten des Sportdezernats, dem Michael Hüttner (SPD) vorsteht.
Der setzte sich nun mit Jugendlichen der Jahrgänge zusammen und unterbreitete ihnen den Vorschlag der Hassia Kempten und der TSG, im Sportheim eine Vorfinanzierungsparty zu veranstalten.
Allerdings geknüpft an Bedingungen: Eine Versicherung muss vorliegen, der Jahrgang hat eine Kaution zu hinterlegen, die Stadt bürgt für größere Schäden und steht den Vereinen auch sonst zur Seite. “Wir danken den Vereinen für die Bereitschaft und ihr Vertrauen", sagte Hüttner, der zudem betonte als Sportdezernent per se für die Jugend nicht zuständig zu sein.
Und so sahen sich die bei der Ratssitzung anwesenden Jugendlichen mitten im Gefecht des Wahlkampfgetöses.
“Wir hätten alles früher und unkomplizierter klären können", stellte dann auch Stefan Pohl (CDU) fest. Seine Fraktion hatte eine Anfrage eingereicht und beispielsweise wissen wollen, welche Bemühungen die Stadtjugendpflege, die Verwaltung und das Ordnungsamt an den Tag gelegt hatten, um den Jahrgängen bei der Organisation ihrer Partys zu helfen.
Bürgermeister Feser rekonstruierte, bereits im Frühjahr 2008 seinen verantwortliche Schüler auf die Stadt zugekommen mit der Bitte, bei der Suche nach Räumen behilflich zu sein. Gespräche mit Stadtjugendpfleger Franz Lang wiederum hätten ergeben, dass nicht wirklich geeignete Räume in Bingen zu mieten seien, auch wenn im Jugendhaus im Oktober und Januar zwei Partys erfolgreich verlaufen seien.
Nachdem also an fast allen Standorten aus unterschiedlichen Gründen Beschwerden geführt wurden und sie sich als nicht geeignet erwiesen, hatte sich Gensingens Bürgermeister Armin Brendel eingeschaltet und die Goldberghalle in Aussicht gestellt. Die CDU-Fraktion wollte nun wissen, wie das Sport-Dezernat die Tatsache beurteile, dass die Partys dort möglich sein sollten, nicht jedoch in den städtischen oder kreiseigenen Hallen in Bingen.
“So wie der Einzugsbereich der Gymnasien über die Stadtgrenze hinausgeht, ist es durchaus vertretbar, wenn Nachbargemeinden ihre Einrichtungen anbieten", sagte Feser.
Der Abi-Jahrgang der Higa kann sich nun an die Planung machen, Mitte Mai soll die Fete im Sportheim steigen. Geht alles gut, kann vielleicht auch das Stefan-George-Gymnasium davon profitieren.

