Von Christine Tscherner
Der Förderverein „Kinokultur Bingen“, „Kikubi“, ist gegründet. Zweck ist es, Herzen und Portemonnaie für Kinokultur zu öffnen. Denn mit Finanzsorgen bangen die Betreiber des Binger Cinema um die Existenz der beiden Kinosäle. Acht Kinointeressierte grübelten im Hotel Krone über Zukunft, Vereinsziele und Vorstandsaufgaben.
Harald Müller würde sich „mehr kinokulturelles Bewusstsein“ wünschen. Müller ist einer von drei Gesellschaftern des Binger Cinema. 1989 haben sie das Binger Lichtspielhaus an der Mainzer Straße übernommen. Seit den Umbauarbeiten sind 14 Jahre vergangen.
Wer modernstes Ambiente und große Kinosäle will, der fährt nach Mainz oder Bad Kreuznach. Lichtspielhäuser wie Bingen oder Ingelheim können allenfalls mit besonderen Aktionen oder Nähe zum Publikum punkten. Doch Zuschauer kommen seit acht Jahren immer weniger. „Das Landesgartenschau-Jahr hat uns fast das Genick gebrochen“, verdeutlicht Müller.
Probleme von bundesweit schrumpfenden Zuschauerzahlen bis zur Konkurrenz des Heimkinos sind bekannt. „Seit 2002 ist unsere Zuschauerzahl um die Hälfte gesunken.“ Rettung sehen die Kinobetreiber in öffentlichen Zuschüssen. Der städtische Kulturausschuss hatte im Herbst vergangenen Jahres nach dem Hilferuf Müllers Unterstützung signalisiert. Kino gehöre zur Kulturlandschaft, so der Mehrheitstenor. Allerdings sollten keine öffentlichen Gelder direkt in einen Privatbetrieb fließen. Ein privatwirtschaftliches Unternehmen mit Stütze aus Steuergeldern über Wasser halten? Die Frage, die Opel im Großen aufwirft, wurde im kleinen Kreis der Binger Gremien diskutiert.
6.000 Euro stehen jährlich insgesamt für kulturtragende Vereine im Binger Etat. Konzertveranstalter wurden aus dem Topf mit Hinweis auf die privatwirtschaftlichen Interessen nie bedient. „Kikubi“ will sich breiter aufstellen: Sonderprogramme für Senioren und Kinder, Filme in Originalsprache, Schulangebote, Live-Musik zu Stummfilmen. Für Sonderveranstaltungen sähe Müller den Binger Filmclub gern unter dem Dach des neuen Vereins.
Um den 1987 gegründeten Club ist es in den vergangenen Jahren still geworden. Kassenschlager wie die „Feuerzangenbowle“ locken zwar Publikum. Aber für Initiativen wie Filmnächte im Rahmen von „Bingen swingt“ oder bei der „Nacht der Verführung“ sehen sich die Veranstalter ausgebremst. „Im Mai wollen wir ein Filmfestival mit acht Filmen aus acht Jahrzehnten präsentieren“, schaut Filmclub-Vorsitzender Marcus Spiel in die Zukunft. Für eine Zusammenarbeit unter dem Dach des Kikubi hat er starke Vorbehalte. Eine Mitgliederversammlung des Clubs im April soll entscheiden.
„Alibi-Filme für das Kino zur Sicherstellung der Programmvielfalt? Das wird es mit uns nicht geben“, erklärt Spiel. Der Kompromiss am Gründungsabend: Bis zur ersten Kikubi-Mitgliederversammlung in drei Monaten hat der Filmclub Bedenkzeit.
Ein vorläufiger Vorstand wurde einstimmig gewählt. Maximal ein Mitglied aus jeder Interessengruppe soll im Kikubi-Vorstand sitzen. Ein fünfköpfiger Programmbeirat wird über das künftige kinokulturelle Angebot in Bingen entscheiden. Ein Mitgliedsbeitrag von 100 Euro jährlich schwebt Harald Müller vor. Der Kulturausschuss wird am heutigen 18. März in nicht-öffentlicher Sitzung erneut über Kinokultur-Förderung beraten.

