Von Jacqueline Gründewald
Mareike Strauß entwickelt in ihrer Diplomarbeit Marketingkonzept für das Binger Kino
BINGEN. Wenn das Licht gedimmt wird und der Film auf der Leinwand erscheint, kann man den Alltag vergessen und sich dem Kinogenuss hingeben. Eine, die diese Leidenschaft teilt und sie sogar wissenschaftlich untersucht hat, ist die Studentin Mareike Strauß.
Eigentlich begann alles damit, dass Mareike Strauß, damals Schülerin am Stefan-George-Gymnasium, etwas Geld nebenher verdienen wollte und anfing, im Cinema Bingen zu arbeiten. "Klar hatten wir unter den Kollegen schon das ein oder andere Mal überlegt, wie wir mehr Leute ins Kino locken können", erinnert sich die 20-Jährige heute. Der Gedanke ließ sie nicht mehr los - auch nicht, als sie nach dem Abitur nach München zog, um an der Bayerischen Akademie für Werbung und Marketing Medienmarketing zu studieren und für ihre Abschlussarbeit ein Marketingkonzept für das Binger Kino erstellte.
"Zu dem Binger Kino habe ich einen persönlichen Bezug und hatte damit ein Thema gefunden, das mich interessiert", sagt die Bingerin. An die Darstellung des gesellschaftlichen und wirtschaftlichen Kontextes des Mediums Kino schließt sich in der Arbeit eine Umfrage der Besucher des Cinema Bingen an. "Das war gar nicht so einfach, da ich ja in München studiert habe, also habe ich die Fragebögen per Internet an den Kopier-Laden geschickt, meine Mama oder meine Schwester haben sie dann im Kino ausgelegt", berichtet Strauß.
Von 105 Fragebögen konnten 99 wissenschaftlich von der 20-Jährigen ausgewertet werden. Die Ergebnisse waren teils vorhersehbar, teils überraschend (siehe Info-Kasten). "Auf der einen Seite war ich von der Solidarität der Besucher begeistert. Viele schrieben beispielsweise in das freie Feld für ihre Anmerkungen, dass sie sich gerne für den Fortbestand des Kinos engagieren wollen. Und alle waren sich einig, dass Bingen stolz auf sein Kino sein kann."
Auf der anderen Seite sieht die Studentin in der fehlenden Kommunikation zwischen Bürgern und Kino eine Schwachstelle, die es zu verbessern gilt. "Viele wissen nicht, dass es im Kino regelmäßig einen besonderen Film außerhalb des Mainstream-Programmes gibt." Außerdem besuchen viele Urlauber das Cinema, das Kino-Programm in der Tourist-Info auszulegen, sei also Werbung mit geringem Aufwand.
"Wenn ich in Bingen bin, schaue ich natürlich nach, was im Binger Kino läuft", sagt Mareike Strauß. Ruft ein interessierter Besucher im Binger Kino an, um sich über das Programm zu informieren, sei es selbstverständlich, dass sich der Mitarbeiter die Zeit nimmt, den Inhalt des Films zu erzählen. "Wo gibt es das schon noch? Ich mag diese persönliche Atmosphäre, und diese große Stärke des Binger Kinos muss man ausnutzen." Aber jetzt heißt es Daumen drücken: Denn erst in zwei Wochen erfährt Mareike Strauß bei der Diplomverleihung in München ihre Abschlussnote für ihre Arbeit über das Binger Kino.

